Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs: Der Berliner Fabrikant Hermann Kypscholl wähnt sich auf der Seite der Gewinner, seiner Familie fehlt es an nichts, und bei Feiern mit illustren Gästen in der Wannsee-Villa fließt Sekt in Strömen. Tochter Anna steht vor einer Karriere als Rassenforscherin; Sohn Otto, der eigentlich Maler werden will, wird von seinem Vater in die Wehrmacht gezwungen und "sichert" in Europa Kunstwerke für Nazigrößen. Doch nach 1945 ist nichts mehr, wie es war: Anna wird vermisst, Otto sitzt im Kriegsverbrechergefängnis, und die Teilung Deutschlands schlägt eine Schneise in die Familie. erst in den 1960er Jahren finden Annas Tochter und Ottos Sohn zusammen, aber beide leiden unter den Wunden, die der Krieg gerissen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.03.2014
Norbert Leithold hat mehr als zehn Jahre an diesem Raubkunst-Roman gearbeitet, man täte ihm Unrecht, diesen nur als das Buch zur Affäre Gurlitt oder zum Fall Beltracchi zu lesen, meint Rezensent Harry Nutt in seiner wohlwollenden Besprechung. "Herrliche Zeiten" erzählt von einer Aufsteiger-Familie in der NS-Zeit: Der Vater macht mit der Herstellung von Uniformen ein Vermögen, die Tochter steigt als Rassebiologin auf, und der Sohn scheitert zwar als Maler, macht aber mit Kunstraubzügen Karriere in der Waffen-SS. Die historischen Fakten sieht Rezensent Nutt geschickt mit romanhaften Elementen verknüpft, wenn auch nicht immer mit gleicher Intensität. Der zweite, nach dem Krieg spielende Teil kommt ihm dann zwar arg konstruiert vor, und auch der erste sei nicht immer frei von Klischees, dennoch empfiehlt Nutt das Buch, vor allem wegen seines "großen Stoffes".
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