Die Frage nach der Herkunft von Kunstwerken und Artefakten ist nicht erst seit dem Streit um die Ausrichtung des Humboldt Forums in Berlin höchst umstritten. Bénédicte Savoy plädiert im Umgang mit Kunst für eine radikal neue Perspektive, die von den Objekten, ihrer individuellen Biografie und ihrem Weg "zu uns" ausgeht. Dabei wird nicht nur ihre Herkunft transparent gemacht, sondern auch die Kolonial- und Gewaltgeschichte und darüber hinaus in zwei Wörtern die Handels- und Austauschbeziehungen und die wissenschaftlich begründete Neugier, die sie ins Museum brachten. Entgegen der Abschottung aus Angst vor Restitutionen kann ein solcher Blick zusammenführen und zur Idee eines gemeinsamen Welterbes beitragen.
Aram Lintzel ist schon gespannt, wie Emmanuel Macron die Vorstellungen seiner Beraterin bei der Restitution von kolonialer Raubkunst umsetzen wird. Wie sich die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy den Umgang mit kolonialen Kunstobjekten und die Rolle der Museen dabei vorstellt, erfährt der Rezensent aus Savoys überarbeiteten und erweiterten Vorlesungen am Collége des France. Die Faszination der Autorin für die Institution Museum springt auf den Rezensenten über, ihre "solidarische" Institutionskritik leuchtet ihm ein, Savoys Vorschlag, Objekte künftig multiperspektivisch, unter Einbezug der ehemaligen Kolonien zu präsentieren, scheint ihm sinnvoll. Die abwägende Haltung der Autorin findet Lintzel angenehm. Als Gewährsfrau für postkoloniale Hardliner-Positionen eigne sich Savoy nicht, meint er.
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