Mauern sind schwer, unbeweglich, starr, manchmal auch aus elastischem Metall oder knospendem Grün. Ausgehend von Berlin erzählt Olaf Briese eine Kulturgeschichte der Mauern. In seinem materialreichen und mitreißend erzählten Buch spannt er den Bogen von ersten steinzeitlichen Siedlungen bis hin zu modernen Sicherheitsregimes. Mauern werden zu ebenso verborgenen wie souveränen Regenten, die den Menschen verändern. Diesem Aufstand der Dinge entspringt eine verkehrte Welt, der bewegte Themenpark der Moderne, der permanente Karneval der Kulturen. Die siebzehn Abschnitte, die Garten und Ghettomauern ebenso behandeln wie Friedhofs- und Fabrikmauern bis hin zur berühmten Berliner Mauer, schildern wie die versteinerten Verhältnisse selbst ihr Lied spielen, wie Mauern ihren Eros entfalten und wie sie fallen und ständig neu erschaffen werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2012
Regina Mönch zeigt sich sehr eingenommen von der so eigenwilligen wie umfassenden Kulturgeschichte der Mauern in Berlin, die Olaf Briese vorgelegt hat. Im Großen und Ganzen chronologisch geht der Autor darin den Mauerbauwerken in und um Berlin von der Steinzeit bis zur Berliner Mauer nach, wobei er insbesondere in ihrer Symbolik und ihrem Abriss ein gewisses Muster erkennt. Die Aufmerksamkeit des Lesers sollte allerdings nicht abreißen, wenn er dem Autor auf seiner durchaus beanspruchenden Reise durch den Steinbruch der Mauergeschichten folgen will, warnt die Rezensentin. Genauso solle man sich nicht von den nur scheinbaren "Nebenstrecken" verunsichern lassen, die Briese von Friedhofsmauern über KZ-Stacheldrahtzäune oder zu Bunkermauern führt, denn dann wird dem Leser, wie die faszinierte Mönch betont, wirklich "alles, was er bisher noch nicht wusste" über die Mauer dargelegt. Sehr interessant fand die Rezensentin besonders die Ausführungen des Autors über die verheerenden Kosten, die durch die Mauer für die DDR entstanden, und die sie, wie die Rezensentin bei Briese lesen kann, "ruiniert" hat.
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