Aus dem Polnischen von Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein. Weil ihr Krimi nicht recht in Gang kommen will, greift eine Frau zum Messer und betritt den Ort des Geschehens. Eine polnische Autorin wird von einer schottischen Dame in deren Landhaus eingeladen: Dort schreibt sie über sich selbst und erschafft sich dabei vollkommen neu. Ein Zirkusimpresario heiratet in grausamer Faszination die hässlichste Frau der Welt und zeugt mit ihr das hässlichste Kind der Welt - eine Investition in die Zukunft. Und ein Schriftsteller trifft an der Wohnungstür auf sein Alter Ego, das sich mit seinen Studenten unterhält, seine Gesten klaut, seine Werke überarbeitet und viel mehr Wodka verträgt als er selbst.
Rezensent Michael Eggers erinnert an die Kritik der Übersetzerin Esther Kinsky an den Texten von Olga Tokarczuk. Dass Erzählungen der Autorin nun in neuer Übersetzung von Lisa Palmes und Lothar Quinenstein erscheinen, ermöglicht es dem Rezensenten, die Probe zu machen, ob Kinskys Urteil verfängt. Eggers stellt fest: Tatsächlich ist der literarische Stil eher einfach, auch wenn die neuen Übersetzer versuchen, den Ton zu heben. Allerdings liegt die Literarizität der Texte für Eggers eher im Inhalt und den "narrativ umgesetzten Einfällen". Wie die Autorin in die Gedankenwelt ihrer Figuren eintaucht und zwischen Fantasie und Realität wechselt, das findet Eggers durchaus lesenswert. Das Doppelgängermotiv und Tokarczuks Spiel mit der Subjektivität verorten die Texte in der Tradition von Poe und Borges, meint er anerkennend, auch wenn die Erzählungen "kein Hauptwerk" der Autorin darstellen.
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