Siri Hustvedt

Ghost Stories

Ein Buch der Erinnerung
Cover: Ghost Stories
Rowohlt Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783498007881
Gebunden, 400 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Uli Aumüller und Grete Osterwald. Als er im Sterben lag, sagte Paul Auster seiner Frau, er wolle ein Geist werden. Und das ist er für Siri Hustvedt geworden: eine allzeit spürbare Präsenz, schmerzlich und tröstlich zugleich. Sie trägt seine Jacke, sie meint seine Zigarillos im Haus zu riechen, sie liest seine Bücher von Neuem. Und zum ersten Mal seit langer Zeit liest sie ihre eigenen Liebesbriefe, vom Beginn einer gemeinsamen Geschichte, die 43 Jahre währen sollte.Mit ihrem beispiellosen Trauer-, Gedächtnis- und Liebesbuch nähert sie sich dem unmöglichen Wunsch, Paul zu neuem Leben zu erwecken. Und Paul selbst kommt zu Wort, mit Briefen, die er für den Monate vor seinem Tod geborenen Enkel Miles hinterlassen hat.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.04.2026

Rezensent Ulrich Rüdenauer ist merklich beeindruckt von Siri Hustvedts neuem Buch, in dem sie über den Tod des Schriftstellers Paul Auster schreibt, mit dem sie 43 Jahre zusammen war. Oft hat Hustvedt über psychische Ausnahmesituationen geschrieben, aber noch nie sind ihre Gedanken so sehr "in mehr Stücke zersprungen, als ich wieder aufsammeln kann", was sich im Patchwork-Charakter des Buches bemerkbar macht, so Rüdenauer. Erinnerungen an die ersten Liebesgefühle in Zeiten, in denen Auster noch verheiratet war, an den Drogentod seines Sohnes Daniel, an die erfolgreichsten Zeiten der beiden Intellektuellen, aber auch die berührenden Briefe Austers an seinen Enkel, der kurz vor seinem Tod geboren wurde. Der Titel des Bandes stammt ebenfalls von Auster, der sich vor seinem Tod gewünscht hat, als Geist zurückzukommen und das Zwiegespräch mit Siri nicht abreißen zu lassen. Sie hat dieser großen Liebes- aber auch Arbeitsbeziehung hier ein kraftvolles Denkmal gesetzt, das den Vergleich mit anderen großen Trauerbüchern wie von Joan Didion trotz aller Unterschiede nicht scheuen muss, schließt Rüdenauer.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2026

Siri Hustvedt hat mit "Ghost Stories" ein berührendes Buch über die Liebe zu ihrem Mann Paul Auster und ihre Trauer um seinen Verlust geschrieben. Doch bei aller Rührung, die man bei der Lektüre unweigerlich empfindet, stellt sich Rezensentin Birgid Schmid doch auch einige leise kritische Fragen. Zum Beispiel diese: Ob denn dieses so hoch gepriesene Liebesglück wirklich "keine Schatten" kannte, wie es in Hustvedts Erzählung scheint? Und auch mit Hustvedts Diskurs zur politischen Situation in den USA innerhalb dieser Trauererkundung wird Schmid nicht ganz glücklich. Der Vergleich ihrer persönlichen mit ihrer "politischen Trauer" scheint der Rezensentin zumindest fragwürdig. Auch kommt diese Rezensentin nicht umhin, Hustvedts "Ghost Stories" mit dem fast schon zum Klassiker avancierten Trauerprotokoll einer anderen Autorin zu vergleichen: Joan Didions "Das Jahr des magischen Denkens" - ein Vergleich, der, so deutet Schmid zumindest an, nicht unbedingt zu Hustvedts Gunsten ausfällt. Dennoch ist Siri Hustvedt mit "Ghost Stories" ohne Frage ein eindringliches Buch gelungen über die Trauer und den Trost, der dieser Trauer innewohnt, so die abwägende Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.03.2026

Für Rezensentin Andrea Gerk legt Siri Hustvedt gleich drei Bücher in einem vor: Trauerbuch, Künstlerbuch und Liebesgeschichte. Anlässlich des Todes von Paul Auster stellt die Autorin Erinnerungen, Briefe und Gedanken rund um das Zusammenleben mit dem Schriftsteller zusammen. So entsteht laut Gerk  unter anderem ein lebendiger zuweilen sehr privater Einblick in das Leben mit Literatur, aber auch ein ungeschönter Blick auf Schwächen und Schrullen beider Künstler. Eine dichte wie intensive, nicht zuletzt Trost spendende Lektüre, mit der Auster eine erstaunliche Präsenz erlangt, findet Gerk. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026

Rezensentin Ursula Scheer sieht in der Geschichte von Siri und Paul, wie sie Siri Hustvedt in ihrem Buch als assoziativen Reigen von biografischen Notizen, Briefen und Erinnerungen an ihren verstorbenen Mann Paul Auster erzählt, eine berührende Lektüre. Ein Buch, das über das Private hinausweist ins Allgemeingültige, etwa durch die Erkenntnis, dass Schrecken und Hoffnung zusammengehören. Mag das Buch der Autorin Halt geben, der Leserin vermittelt es laut Scheer außerdem wertvolle Gedanken über Zeit und Schreiben, Krankheit und Tod und vergegenwärtigt in "klarer" Prosa den Abwesenden. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.03.2026

Rezensent Thomas Lindemann muss schwer schlucken beim Lesen von Siri Hustvedts neuem Buch. Eine Trauerarbeit, und was für eine: 400 Seiten folgt man der Autorin durch Alltag und Gedankenwelt nach dem Krebstod ihres Mannes Paul Auster; erschütternd für Lindemann dabei, wie Hustvedt mit gewohnt präziser Beobachtungsgabe und neurowissenschaftlicher Neigung ihr Leid, ihre Verwirrung in Worte und Situationen verpackt: mit Socken in die Badewanne, verschlossene Briefe öffnen und nicht verstehen, der Hass auf die Medikamententasche. Diese Momente der "emotionalen Wahrheit" treffen den Kritiker ins Mark; auch die Ausschnitte aus Austers letztem, unvollendeten Buch, "Briefe an Miles" (den Enkel), die zwischen Hustvedts Alltagsbeschreibungen, dem Philosophieren über das Leben, die Angst, die eigene Arbeit immer wieder eingestreut werden, sind für Lindemann "großartig". Wo es für ihn etwas schwächer wird: wenn es um die Liebe zu Kindern/Enkeln geht, wenn Hustvedt sich in Trump-Rants verliert oder in ausufernden E-Mails zur Krebstherapie - für Lindemann führt das zu sehr weg vom harten emotionalen Kern. Trotzdem lässt er sich mitreißen von diesem im positiven Sinne erratischen Trauerstrom und empfiehlt die Lektüre wärmstens.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.03.2026

Ein wundervolles "literarisches Vergissmeinnicht" legt Siri Hustvedt hier vor, jubelt Rezensent Yannic Walter. Hustvedt widmet sich in diesem Buch ihrer Erinnerung an Paul Auster, mit dem sie über 40 Jahre lang liiert war. Tatsächlich verband die beiden nicht nur eine Lebens-, sondern auch eine Arbeitsgemeinschaft, immer wieder überschneiden sich die literarischen Interessen der beiden, etwa mit Blick auf die Rolle des Zufalls im menschlichen Leben. Dennoch wurde stets zuvörderst Auster als literarischer Star gefeiert, Hustvedt galt als bloßes schmückendes Beiwerk, obwohl sie deutlich belesener war als Auster - hier schreibt sie über diese Ungleichbehandlung durchaus wütend, teils aber auch altersmilde. Ganz und gar nicht mild sind hingegen die Passagen, in denen die Autorin mit dem Trump'schen Ungeist abrechnet. Die geradezu obsessiv am Leben erhaltene Erinnerung an den geliebten Verstorbenen wird, beschreibt ein hingerissener Rezensent, zum Schutzwall gegen die schlechte Wirklichkeit. Wobei das Buch einem, schließt die rundum euphorische Rezension, durchaus Hoffnung geben kann darauf, dass ein gutes Leben trotz allem und nicht zuletzt durch die Liebe möglich ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.03.2026

Ein Erinnerungsbuch und ein Trauerbuch liest Rezensentin Judith von Sternburg mit "Ghost Stories", die Erzählung eines Zustandes, locker zusammengesetzt, und damit auch ein "echtes Hustvedt-Buch", nur radikaler noch, emotionaler auch - ein Buch, das in Verzweiflung schwelgt und diese zu Kunst erhebt, ein Buch auch über die Sehnsucht etwas zu wollen, das nicht mehr ist. Hustvedts Sehnsucht gilt ihrem Mann Paul Auster, dem Schriftsteller, der er für die Öffentlichkeit war und Paul, der er privat für Siri war. Von seinem Verlust, von dem Schock, den die Aneignung seines Todes durch die Öffentlichkeit für Hustvedt bedeutete, schreibt sie und erschreibt sich damit auch ihre Erfahrung zurück, eignet sich ihre eigenen Tragödien schreibend wieder an, lesen wir. Das ist bewegend, auch wenn Sternburg vieles von dem schon weiß, was die Autorin beschreibt: Ihr Kennenlernen, ihr Zusammenleben, ihre Liebe zum Beispiel. Denn auch das ist "Ghost Stories": Eine Liebesgeschichte, und als solche ist dieser Roman am allerschönsten, so die berührte Rezensentin. Dass die im Allgemeinen sehr gelungene Übersetzung hier und dort ein wenig "rumpelt", lässt sich verschmerzen, findet die Rezensentin. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2026

Rezensentin Gabriela Herpell scheint tief berührt von Siri Hustvedts Erinnerungen an das Leben mit Paul Auster. Das Buch ist für Herpell ein inniges Denkmal, aber auch beschwingt in den Szenen aus der Erinnerung an die frühen gemeinsamen Jahre. Über das und den Schmerz des Verlustes schreibt die Autorin laut Herpell "einfach und weise". Das Buch vermittelt der Rezensentin sogar den Trost, den Hustvedt durch die geisterhafte Erscheinung des toten Partners empfand.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2026

Rezensent Volker Weidermann besucht Siri Hustvedt in ihrem New Yorker Haus, in dem sie nun alleine wohnt, nachdem vor knapp zwei Jahren ihr Mann Paul Auster verstorben ist. Sie waren 43 Jahre lang wohl das berühmteste Schriftstellerpaar, so Weidermann, und vom Ende des Wir handelt nun Hustvedts neues Buch, das Tagebuch, Erinnerung, Beschwörung zugleich ist und in dem auch Austers letzte Texte vorkommen: Briefe, die er an seinen Enkel geschrieben hat, der kurz vor seinem Tod geboren wurde. Geister spielen, dem Titel entsprechend, eine wichtige Rolle, Austers und Hustvedts Wunsch, er möge als Geist zurückkehren, aber auch der Drogentod von Austers Sohn aus erster Ehe, erfahren wir. Hustvedt setzt sich also auch mit den Geistern der Vergangenheit auseinander, die sie als mitursächlich für die Krebserkrankung ansieht, an der ihr Mann dann verstorben ist, so der Kritiker. Er liest ziemlich beeindruckt von dieser langen Liebe und all die Geschichten, die die Autorin davon zu erzählen weiß. 

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2026

Ein literarisch verdienstvolles Werk legt Siri Hustvedt hier vor, freut sich Rezensentin Mara Delius. Denn die Autorin, die sich hier mit ihrem verstorbenen Lebenspartner Paul Auster auseinandersetzt, schreibt nicht als trauernde Witwe, sondern als sich erinnernde Frau. Im Zentrum stehen die 43 gemeinsamen Lebensjahre, es geht dabei nicht nur - und nie voyeuristisch - um das gemeinsame Leben, sondern auch um eine Gemeinschaft zweier Schreibender. Dabei setzt sich Hustvedt auch mit den Dynamiken einer Beziehung auseinander, in der der Mann mehr als die Frau zum literarischen Superstar wurde - sie selbst widersetzt sich solchen Zuschreibungen und besteht damit auf der eigenen Autorenschaft. Entstanden ist dabei ein Buch, das Hustvedt einerseits als ein "Monument ihrer Liebe zu Paul Auster" anlegt, das andererseits jedoch auch das einer großen Literatin über einen großen Literaten ist. Delius kann damit insgesamt viel anfangen.

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