Oliver Sacks

Die feine New Yorker Farngesellschaft

Ein Ausflug nach Mexiko
Cover: Die feine New Yorker Farngesellschaft
Frederking und Thaler Verlag, München 2004
ISBN 9783894054809
Gebunden, 171 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Die "süße, unverdorbene, vorprofessionelle Atmosphäre", in der die Mitglieder naturwissenschaftlicher Amateurvereine ihrer Liebhaberei nachgehen, bekennt Oliver Sacks, habe ihn schon immer angezogen. Und wenn der berühmte Neurologe und Autor dann eines Tages mit der Amerikanischen Farngesellschaft auf Exkursion in die mexikanische Provinz Oaxaca fährt, dann kann man sich denken, dass es ihm im Gegensatz zu manch anderem Teilnehmer nicht nur um seltene Farne geht.
Froh und vergnügt "angesichts der Vorstellung, eineinhalb Wochen dem strengen New Yorker Winter zu entgehen", lässt Sacks sich auf das kleine Abenteuer des ihm fremden Landes ein; und schon von dem Moment, wo die Maschine der AeroMexico abhebt, genießt er "das basarhafte Treiben" an Bord, das so völlig anders ist als das nüchterne öffentliche Leben in den USA. Mit unermüdlicher, gleichwohl gelassener Neugierde, offen und zuweilen selbstironisch, interessiert sich Sacks für das Land, die Leute, die Geschichte Mexikos, erzählt aus der Paläontologie wie aus der mexikanischen Revolution, lässt sich von seinen Farn-erfahrenen Reisegefährten belehren und besucht auch "El Gigante", die berühmte Riesenzypresse im Hof der Kirche Santa Maria del Tule, vor der schon Alexander von Humboldt staunend stand.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2005

Oliver Sachs, bekannter Autor kluger Bücher über den Menschen, ist Mitglied der "Amerikanischen Farngesellschaft" und war mit seinen Vereinsfreunden auf einer Exkursion in Mexiko unterwegs, auf der Suche nach ebenso seltenen wie unscheinbaren Gewächsen. Man muss aber nicht lange lesen, meint ein nach der Lektüre gut gelaunter Tobias Rüther, um zu bemerken, dass die interessantesten Exemplare nicht auf mexikanischen Boden wachsen, sondern selbigen mit den Augen absuchen, um beim Anblick eines Farns "pteridologische Orgasmen" erleben. "Der Mensch, lernt man, ist erst dort ganz Mensch, wo er ein Hobby hat", und Sacks liefert 200 Jahre nach Humboldts Mexiko-Reise ein "feines Bestimmungsbuch menschlicher Natur", speziell der des "interessanten Spinners".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Wer mit einem liebevollen Blick auf die Schrullen seiner Mitmenschen ausgestattet ist, wird an diesem Buch seine helle Freude haben, daran lässt Rezensentin Eva-Elisabeth Fischer keinen Zweifel. Schon in seinen neurologischen Fallbeschreibungen "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" hatte Oliver Sacks zur Genugtuung der Rezensentin die Abweichung von der Norm niemals als etwas Bedrohliches dargestellt, und so konnte sie auch seine seltsame Exkursion mit einer Farngesellschaft ins mexikanische Oaxaca genießen. Versammelt hat sich hier nach Darstellung der Rezensentin ein Club angegrauter Amateurforscher, deren "subtile Art der Sublimierung" sie arg an viktorianische Glanzzeiten erinnerte. Mit Humor beschreibe Sacks den schwer nachvollziehbaren Enthusiasmus der Farnliebhaber, auch seine eigene Vorliebe für ihre Schönheit verhüllende Pflanzen; zu Hochtouren laufe er aber auf, versichert Fischer, wenn er chemische Stoffe in Pflanzen schildert, die offenbar sehr bedeutsam für die Entwicklung von Serotoninblockern gewesen sind, oder wenn er in den geometrischen Mustern von Palästen eine universelle halluzinatorische Formkonstante entdeckt. Dann, jubelt Fischer, erkennt der Leser, wie Sacks - Alexander von Humboldt nicht unähnlich - ein "aus der Mode gekommenes Denken" und damit ein universales Weltbild kultiviert hat.

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