Er war der erste "Black Romeo" an der Pariser Oper, für seine Interpretation des Sklaven Spartakus wurde er in Deutschland zum "Tänzer des Jahres" gewählt. Doch Zeit seines Lebens und auch auf seinem Karriereweg hat er immer wieder Rassismus und Ausgrenzung erfahren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen im sozialistischen Kuba auf und lernte früh, dass Talent im Ballett vor allem harte Arbeit ist. Nach seinem Durchbruch in Havanna verließ er seine Heimat Richtung Europa und wurde ein international gefeierter Ballerino. Der Afro-Kubaner ist einer der wenigen schwarzen Principal Dancer in der weißen Welt des klassischen Balletts. Gouneo aber besteht nicht darauf und sagt: "Ich bin kein schwarzer Balletttänzer, ich bin ein Balletttänzer." Das ist auch deshalb erstaunlich, weil seine Großeltern noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Kuba versklavt wurden und er selbst auch in der Ballettwelt immer wieder Rassismus erlebt hat. Osiel Gouneos Autobiographie ist nicht nur eine unglaubliche Aufstiegsgeschichte, sondern ein Debattenbeitrag in Zeiten aufgeregter Diskussionen um Cancel Culture und kulturelle Aneignung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2024
Rezensentin Wiebke Hüster ist nicht zufrieden mit der Biografie des klassischen Tänzers Osiel Gouneo. Zu unsortiert findet sie die Gedanken des schwarzen Künstlers zu Themen wie Rassismus, Cancel-Culture oder der gerechten Beurteilung tänzerischer Leistungen. Weitere spannende Fachfragen aus dem Leben eines Tänzers kommen im Buch gar nicht vor, beklagt sich Hüster. So interessant und wichtig es Hüster erscheint zu erfahren, wie jemand wie Gouneo Rassismus an internationalen Bühnen erlebt, so wenig ausgewogen erscheint ihr das Buch bei seinen Themen und Fragen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.03.2024
Vieles gefällt und manches wundert Rezensentin Dorion Weickmann bei der Lektüre der Autobiografie des schwarzen kubanischen Balletttänzers Osiel Gouneo. Der Tanzstar zeichnet darin seinen Weg an die Spitze der Tanzszene nach, wobei, wie Weickmann darstellt, auch rassistische Widerstände, die sich unter anderem in Nichtberücksichtigungen für interessante Rollen niederschlugen, thematisiert werden. Weiterhin geht es um Gouneos Bemühungen um die Modernisierung der Kunstform, wobei Weickmann anmerkt, dass der Autor nicht ganz konsequent ist, wenn er einerseits den Status von Klassikern hinterfragt, andererseits eine stereotypisierte Figur wie den Strawinsky-"Mohr" "Petruschka" lediglich als ein Besetzungsproblem beschreibt. Auch Gouneos Putin-treuer Mentor Igor Zelensky, der zwischen 2016 und 2022 das Bayerische Staatsballett leitete, kommt für Weickmanns Geschmack zu gut weg. Am liebsten liest die Rezensentin dieses informative Buch da, wo Gouneo sich dem Tanzhandwerk selbst zuwendet.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…