Paul Lendvai

Wer bin ich?

Cover: Wer bin ich?
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2025
ISBN 9783552075597
Gebunden, 128 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Der 95-jährige Paul Lendvai ist Österreicher, Ungar, Jude und Europäer: Was bestimmt seine Identität? Geboren in Budapest, überlebte er nur knapp den Holocaust. 1953 wurde er als "Trotzkist" inhaftiert und danach mit Berufsverbot belegt, 1957 gelang ihm die Flucht nach Österreich. Hier fand er eine neue Heimat, hier wurde er zum international tätigen Journalisten. In seinem neuen Buch verknüpft er Biografisches mit Analytischem, heimische mit europäischer Politik. Trotz aller Kritik an Viktor Orbán ist er mit Ungarn eng verbunden. Und seit der Antisemitismus weltweit zunimmt, fühlt er sich stärker denn je als Teil der jüdischen Schicksalsgemeinschaft. In seinen Schilderungen wird deutlich: Identität besteht aus vielen Facetten, zusammen bilden sie das Wesen des Menschen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2025

Rezensent Stephan Löwenstein ist äußerst angetan von diesem Buch des 96-Jährigen Journalisten und Radiomoderatoren. Lendvai treiben Identitätsfragen um, was das Verhältnis zwischen Österreich und seinem Geburtsland Ungarn und sein Judentum angeht, erfahren wir. Im Gegensatz zu seiner weitläufigen Autobiographie, skizziert er seine wichtigsten Lebensstadien hier nur: mit fünfzehn überlebte er die Shoa, wurde nach dem Krieg Sozialdemokrat und arbeitete unter dem kommunistischen Regime, bevor er sich 1956 in den Westen absetzte und schließlich in Wien für zahlreiche journalistische Organe tätig wurde, resümiert Löwenstein. Der Kritiker erfährt auch, dass das Verhältnis des Autors zu Ungarn mit seinen vergangenen, autoritären Regimes ein finsteres ist, er sich dafür aber gänzlich als Österreicher begreift. Diesen Ausführungen folgt Löwenstein gerne, auch wenn die zahlreichen Begegnungen des Autors manchmal zur ermüdenden Häufung von Namen führen. Dafür nimmt ihn der Umgang mit den Nachwirkungen des 7. Oktobers ein, der hier zu einer Erinnerung an das jüdische "Schicksalsbündnis" wird. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.09.2025

Rezensentin Christine Brinck zeigt sich durchaus beeindruckt von der Biografie des heute 96-jährigen Paul Lendvai, der auf nur etwas über 100 Seiten seine "vier Identitäten" aufschlüsselt: Er ist Europäer,  Jude, Ungar und Österreicher. In Ungarn geboren, hat er den Holocaust  überlebt, wurde zurück im Heimatland als Trotzkist mit einem Berufsverbot belegt, bis er 1957 nach Österreich emigrieren und dort ein erfolgreicher Journalist werden konnte. Besonders überzeugt  Lendvai Brinck durch die Fähigkeit, auf knappem Raum auch "immer ein  guter Geschichtslehrer" zu sein: Er schildert, wie Ungarn als großer Verlierer aus dem Ersten Weltkrieg hervorgeht, wie schon seit 1920 antisemitische Gesetze erlassen werden, wie verzweifelt der Aufstand 1956 war, aber auch, was der 07. Oktober für ihn als Jude  bedeutet. Besonders wichtig für ihn und für die Rezensentin: Wie zerbrechlich die Freiheit ist und wie wichtig es ist, sie zu schützen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.09.2025

Der österreichisch-ungarische Journalist Paul Lendvai zählt zu den profiliertesten Publizisten seiner Generation und legt nun einen autobiografischen Band vor. Rezensent Günter Kaindlstorfer ordnet diese Selbstreflexion in Lendvais umfangreiches Werk ein: 1929 in Budapest in eine jüdische Familie geboren, überlebte Lendvai den Holocaust dank eines Schweizer Schutzpasses. Nach der Befreiung Ungarns engagierte er sich in der Sozialdemokratie, geriet jedoch unter das stalinistische Regime, wurde verhaftet und floh 1956 nach Wien. Dort startete er eine herausragende journalistische Karriere, unter anderem als Korrespondent, Gründer der "Europäischen Rundschau" und Aufbauleiter der ORF-Osteuropa-Redaktion. Obwohl Lendvai sich sowohl Ungarn als auch Österreich verbunden fühlt, kritisiert er in jüngerer Zeit die nationalistische Politik Viktor Orbáns. In seiner Autobiografie reflektiert er seine Erfahrungen unter drei autoritären Regimen in Ungarn, seine demokratische Skepsis sowie sein Engagement für Freiheit und Menschenrechte. Eine durchaus lohnenswerte Biographie eines Zeugen der Zeit, versichert Kaindlstorfer. 

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