Hanif Kureishi

Als meine Welt zerbrach

Cover: Als meine Welt zerbrach
Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN 9783630878164
Gebunden, 288 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Cornelius Reiber. "Vor ein paar Tagen ist in meinem Leben eine Bombe eingeschlagen." So beginnt das Memoir des britischen Autors Hanif Kureishi. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2022 wird Kureishi nach einem Spaziergang durch die Gärten der Villa Borghese in Rom schwindlig und er stürzt. Als er wieder zu sich kommt, kann er seine Arme und Beine nicht mehr bewegen. Er vermag fortan nichts mehr ohne die Hilfe anderer zu tun. Und zugleich arbeitet sein Geist auf Hochtouren: Tagtäglich diktiert er seiner Familie Geschichten ins iPad. Voller Witz, Galgenhumor und Leichtigkeit. Über sein neues und sein altes Leben. Über seine Kindheit als Sohn eines pakistanischen Einwanderers in London. Über den zunehmenden Fanatismus in der Welt und seine Freundschaft mit Salman Rushdie. "Eine weitere beschissene Nacht. Ich kann meine Arme und Beine nicht bewegen, und es hat mich auch niemand gehört. Eine gute Gelegenheit also, um über das Leben nachzudenken."

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.10.2025

In diesem Buch verarbeitet der britische Schriftsteller die Folgen seines Sturzes im Winter 2022 und das gelingt ihm mit schonungsloser Offenheit und einer erfreulichen Tendenz zum Galgenhumor, urteilt Rezensentin Shirin Sojitrawalla. Da Kureishi aufgrund des Sturzes seine Arme und Beine nicht mehr bewegen kann, diktierte er den Roman entweder seiner Partnerin Isabella oder einem seiner drei Söhne. Sojitrawalla begleitet ihn bei der Lektüre durch das Jahr 2023, das von zahlreichen Krankenhausaufenthalten und Reha-Besuchen bestimmt war. Der Unfall wird Kureishi unter anderem zum Anlass für einen Rückblick, der die Kritikerin mit seinem nahbaren, "spöttischen Alltagston" an ein Tagebuch denken lässt. Überhaupt verknüpft sie diese Lektüre mit zahlreichen anderen Texten: das lebensverändernde Ereignis und die damit verbundene Trauer erinnern sie an Didions "Das Jahr des magischen Denkens", aber auch an Rushdies "Knife", die Kranken-Geschichte an Romane von Sylvie Schenk und Thomas Melle. Kureishi selbst vergleicht die Absurdität des Ereignisses und seine daraus resultierende Körperlähmung mit Kafkas Gregor Samsa. Die spezifische Mischung aus Humor, unverstellter Ehrlichkeit und Schreibreflexion gehört jedoch ganz Kureishi, versichert die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025

Hier spricht einer, der sich das Leben zurückerobert, stellt Rezensentin Melanie Mühl bei der Lektüre von Hanif Kureishis Buch fest. Der Autor erzählt darin vom Moment, als sein Leben zunächst einmal zusammenbrach. Eines Tages erfasst ihn unerwartet Schwindel und er fällt so unglücklich, dass er vom Hals abwärts gelähmt ist. Er kann kaum mehr etwas selbst, nicht auf die Toilette, nicht telefonieren, keinen Stift halten, lesen wir. Es gibt jedoch ein wenig Hoffnung auf Besserung durch Physiotherapie, aber hier wird keine Heilungsgeschichte erzählt, verrät die Kritikerin schonmal. Mit bitterem Humor und harschem Vokabular schilder Kureishi den Klinikalltag zwischen teilweise demütigenden Arzt-Visiten und Langeweile. Die viele Zeit zum Nachdenken beschert der Kritikerin kluge und auch witzige Reflexionen zu den unterschiedlichsten Themen, nicht nur zu den zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich durch so ein Unglück verändern, sondern auch zu Cancel Culture, erlebtem Rassismus, Liebe und Sex. Die beeindruckende Chronik eines schlimmen Vorfalls und eines starken Neuanfangs, schließt Mühl. 

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