Kant ist zwar für seine Kritik der theoretischen Vernunft bekannt, auch für seine universalistische Ethik und vielleicht noch für seine Theorie der Ästhetik. Dass er auch ein überragender Rechtsund Staatsphilosoph ist, wird aber meist vergessen. Tatsächlich gehen auf ihn vier bis heute aktuelle Innovationen zurück: l. Er hebt als erster und bis heute einziger Denker Frieden in den Rang eines philosophischen Grundbegriffs. 2. Er verbindet ihn mit der politischen Innovation seiner Zeit, der Republik. 3. Er erweitert ihn um eine kosmopolitische Perspektive: um Völkerrecht und Weltbürgerrecht. 4. Und er gibt Platons aristokratischem Gedanken des Philosophenkönigs die republikanische Wende zu "königlichen Völkern".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2001
Bevor er auf den philosophischen Gehalt von Otfried Höffes Buch zu sprechen kommt, widerspricht Wolfgang Kersting erst einmal Höffes Diagnose, dass die rechtsphilosophische Seite Kants noch immer weitgehend unbekannt sei. Eine solche unglückliche Aufwertung der eigenen Anstrengungen hat Höffe nach Ansicht des Rezensenten gar nicht nötig, denn mit dem Buch selbst zeigt er sich weit gehend einverstanden. Am wenigsten gefällt ihm noch der erste Teil, der Kant mit Aristoteles zu versöhnen versucht. Höffe forciert hier, findet Kersting, die Annäherung trotz der prinzipiellen Berechtigung des Anliegens zu sehr. Der zweite Teil, der sich mit dem moralischen Rechtsbegriff Kants beschäftigt, taugt, so der Rezensent, als "solide und sehr textnahe Einführung". Am besten gefallen haben Kersting aber die Studien des dritten Teils, die Kants Texte zum Völker- und Weltbürgerrecht untersuchen. Nur am Ende geht Höffe nach Meinung des Rezensenten dabei einen Schritt zu weit und tendiert dazu, seine eigene Position zur Notwendigkeit zwischenstaatlicher Institutionen für die Kants auszugeben.
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