Oya Baydar

Verlorene Worte

Roman
Cover: Verlorene Worte
Claassen Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783546004350
Gebunden, 455 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen von Monika Demirel. Er findet die richtigen Worte nicht mehr. Ömer Eren ist ein gefeierter Bestsellerautor, doch sein neuer Roman lässt auf sich warten. Der Ansprüche von außen überdrüssig, sucht er nach der Geschichte, die zu erzählen ihm wirklich wichtig ist. Elif, seine Frau, macht inzwischen als Biochemikerin in Europa Karriere und hat kaum mehr Zeit für ihn. Der gemeinsame Sohn Deniz sollte wenigstens als Kriegsfotograf im Irak etwas werden. Doch er hat "versagt" und lebt nun auf einer einsamen norwegischen Insel. Jetzt ist er der verlorene Sohn, abgeschrieben. Plötzlich aber geschieht etwas, was alles in Bewegung setzt: In Ankara wird Ömer Zeuge, wie eine schwangere junge Frau von einem Querschläger getroffen wird. Das Schicksal des kurdischen Mädchens fesselt ihn, und so macht er sich auf in ihre Heimat, in die Berge Ostanatoliens. Elif ist zur selben Zeit in die andere Richtung unterwegs, ins norwegische Exil ihres Sohnes.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.12.2008

Rezensent Martin Zähringer zeigt sich vom Roman Oya Baydars sehr beeindruckt. Die türkische Autorin leuchtet darin verschiedene Formen der Gewalt aus und schafft dabei ein überzeugendes Zeitbild, erklärt der Rezensent bewundernd. Im Mittelpunkt steht der erfolgreiche, aber in einer Schaffenskrise steckende Schriftsteller Ömer, der von Istanbul in den türkischen Südosten reist, um wieder schreiben zu können, lässt der Rezensent wissen. Hier sieht Ömer aus nächster Nähe die Gewalt gegen Kurden, während seine ihm entfremdete Frau Elif zur gleichen Zeit mit ihrem Sohn, einem gescheiterten Fotografen, der vor den Grausamkeiten des Irakkrieges auf eine norwegische Insel geflüchtet ist, einen Anschlag von Neonazis erlebt, so Zähringer weiter. Ihm imponiert die "hellwache Zeitdiagnose", die Baydar in ihrem exemplarisch zu verstehenden Roman um das zentrale Motiv der Gewalt abliefert, und er lässt sich auch gern von der "Alternative" zur Gewalt - für die Autorin ist das die Liebe - überzeugen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2008

Oya Baydar ist eine überaus spannende Person mit einem reichen und hoch interessanten Lebenslauf. Das ist diesem Roman, stellt Alex Rühle fest, durchaus auch anzumerken. Allerdings nicht unbedingt und nicht immer zu seinem Besten oder auch nur Guten. Baydars Engagement in gesellschaftlichen Dingen, ihr Interesse am Kurdenproblem, an der türkischen Gegenwart und manch anderem schlage sich nämlich allzu oft sehr direkt in Form von Erörterungen nieder, die ein essayistisches Buch besser als dies fiktionale vertragen hätte. Die Erzählung bricht dadurch, bedauert Rühle, unter der Last zusammen wie ein "abgemagerter kurdischer Esel, der den gesamten Hausrat einer Familie tragen muss". Überaus bedauerlich findet der Rezensent das, der nur einmal diesen Roman als ganz bei sich erlebt hat: da nämlich, wo Mutter und Sohn in norwegischer Einsamkeit aufs Vertrackteste miteinander allein sind.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.09.2008

Nicht sehr froh ist Rezensent Kolja Mensing mit diesem Roman über den Ost-West-Konflikt in der Türkei geworden, dem Konflikt zwischen Moderne und Rückständigkeit, politischem PKK-Separatismus und Bewältigung der Vergangenheit als Militärdiktatur. Floskelhafte Sprache, falsches Pathos, viel zu viel "Krise, Drama, Tod" - Mensings Mängelliste ist lang. Dass er das Buch trotzdem nicht zur Seite gelegt hat, hat, wie er schreibt, mit der "Brisanz" des verhandelten Themas zu tun. Doch reicht, wie er auch meint, der reine Nachrichtenwert nicht für ein nachhaltiges Leseerlebnis, weil das Buch geltenden literarischen Maßstäben nicht gerecht werden kann.

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