Pascale Hugues

Deutsches Glück

Le bonheur allemand. Reportagen
Cover: Deutsches Glück
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart 1999
ISBN 9783421052704
gebunden, 237 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

In ihren Reportagen enwirft Pascal Hugue Miniaturen von dem Alltag in unserem Land, die mit leichtem Strich all die kleinen Verrücktheiten, die skurilen Gewohnheiten und die liebenswerten Macken der Menschen vorstellen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.04.2000

In einer Doppelrezension bespricht Sabine Vogel zwei Bücher, die sich mit der Frage beschäftigen: Was ist wohl "typisch deutsch"?
1) Pascale Hugues: "Deutsches Glück" (DVA)
Diesem Buch gesteht die Rezensentin immerhin einen gewissen Unterhaltungswert zu, wenn sie auch einräumt, dass man möglicherweise nicht nur etwas über Deutsche, sondern auch über Franzosen (oder doch nur die französische Autorin?) erfährt. Immerhin ist hier die Sicht von Außen gegeben: Bissig kommentiere die Autorin ihren Eindruck von schlecht gekleideten Atomkraftgegnern, deutschen Müttern und Küchen mit abgestandenen Zwiebelgeruch und Wachstuchtischdecke. Allerdings beschreibe die Autorin - nicht ohne Selbstironie -, dass sie nach und nach zu dem Schluss gekommen ist, dass auch schlechtgekleidete Menschen, die nicht "unter allen Umständen auf einem guten Essen" bestehen und auch Frauen, die sich nicht ständig die Beine rasieren, bisweilen beeindruckend und sympathisch sein können. Die Stärke des Buches liegt nach Ansicht der Rezensentin vor allem darin, dass die Autorin durch ihre Schilderungen von Erlebnissen und Personen Begriffe wie "deutsche Gemütlichkeit" plastisch zu vermitteln weiß.
2) Hermann Bausinger: "Typisch deutsch" (C. H. Beck)
Dieses Buch hält die Rezensentin für nur bedingt aufschlussreich, da sie mit Bausingers "methodischen Instrumentarium" nicht einverstanden ist. Ihrer Ansicht nach reicht es nicht aus, wenn man in Deutschland verbreitete Angewohnheiten beschreibt, ohne dies in den "Kontrast des Fremden" zu stellen. Bausinger jedoch berichte "aus der Innenperspektive" und vernachlässigt die Sicht von außen ihrer Meinung nach zu sehr. Es erschliesst sich ihr nur selten, was an den "typisch deutschen" Eigenarten denn so typisch sein soll. Als Beispiel führt sie die "Kleinräumigkeit und Enge" auf, die ihrer Ansicht nach weniger typisch deutsch, als eher eine Eigenart europäischer Städte ist, die sich einst durch einen Ortskern mit Stadtmauer entwickelt habe. Außerdem stört sie sich daran, dass Bausinger ihrer Ansicht nach unter "deutsch" vor allem "westdeutsch" versteht, da er die Ansicht vertritt, die Bevölkerung der DDR habe sich nicht in eine "gesamtdeutsche Identität"eingefügt, sondern eine "eigenes Profil" entwickelt.
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