Das 20. Jahrhundert war noch kein Jahr alt, da zog es eine Gruppe junger Aussteiger nach Ascona an den Lago Maggiore. Sie träumten den Traum vom wahren Leben, der Natur und dem Natürlichen nahe, ohne Alltagshektik und Statusdenken. Sie verehrten das Licht des Südens, ernährten sich vegan, betrieben Yoga und Ausdruckstanz, und die Frauen legten ihre Korsette ab. Den Hügel, den sie besiedelten, tauften sie Monte Verità, Berg der Wahrheit. Immer mehr Menschen zog es dorthin, darunter Erich Mühsam, Hermann Hesse, Mary Wigman, Franziska zu Reventlow und Max Weber. In Windeseile verbreitete sich die Kunde vom unangepassten Leben bis nach Amerika und wurde dort in den 1960er Jahren zur Keimzelle der Hippiebewegung. Bis heute sind wir von den Ideen geprägt, die damals entstanden. Stefan Bollmann erzählt auf der Basis neuer Quellen die Geschichten hinter den Legenden, die sich schnell um den Monte Verità zu ranken begannen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2018
Der Monte Verità - für die einen ein Sehnsuchtsort für die anderen ein Spottwort. Inzwischen ist der Berg und seine Geschichte gut erforscht und vielfältig beschrieben und trotzdem kann Stefan Bollmanns Buch all dem vorhandenen Wissen und Wundern noch etwas hinzufügen, meint Rezensent Oliver Pfohlmann. Es ist nicht nur äußerst fundiert und anschaulich geschrieben, sondern beleuchtet auch zwei Aspekte, denen bisher wenig Beachtung geschenkt wurde, erklärt Pfohlmann. Bollmann legt im Gegensatz zu seinen Vorgängern großen Wert darauf, die "erste moderne Gegenkultur" in ihren "kulturhistorischen Kontext" zu setzen. Außerdem und noch wichtiger weist er auf die vielfältigen Parallelen des Aussteigerlebens auf dem Monte Verità zur 68er Bewegung und sogar zu modernen Entwicklungen und Lebensentwürfen hin. Schon damals gab es sharing is caring, FKK und Veganismus, so der erstaunte Rezensent.
Eva-Christina Meier scheint Stefan Bollmanns Rekonstruktion der Anfänge der Lebensreform-Bewegung im Tessin lesenswert. Wie Bollmann minutiös die Herausforderungen, Entwicklungsphasen und ideologischen Einflüsse der Künstlerkolonie herausarbeitet, findet sie spannend. Meier liest über Reformkleidung, Bircher-Müsli und Licht-Luft-Hütten und erkennt, was die Aussteiger einte: Suche nach Sonne. Dass der Autor auch einige Biografien Beteiligter und den historischen Hintergrund dokumentiert, gefällt Meier. Der Vergleich zu anderen Alternativkulturen bleibt hingegen im Buch allzu plakativ, kritisiert sie.
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