In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Massen ein beherrschendes Thema der Politik und Gesellschaft Europas. Im Zeitalter des Individualismus scheinen sie ihre Anziehungskraft und Gefährlichkeit verloren zu haben. Ein Irrtum. Von neuem bewegen Massen große Teile der Gesellschaft. Sie entstehen mit Hilfe moderner Medien in der Popkultur, in Sport und Konsum, in Protestbewegungen und Revolten, in neuen politischen Formationen und in Flüchtlingsströmen. Im Unterschied zu den Massen der Vergangenheit bieten sie den Individuen die Möglichkeit, sich eine imaginäre Größe, ihren Äußerungen und Schicksalen eine Öffentlichkeit zu geben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2019
Steffen Martus findet in Gunter Gebauers und Sven Rückers Versuch einer Haltungsbestimmung zum Thema Masse keinen roten Faden. So wichtig das Thema und der Wunsch der Autoren, Masse in ihrer Ambivalenz wahrzunehmen, ihm auch erscheinen, so wenig gelingt es Martus zufolge dem Band, die Schwierigkeiten einer Begriffsbestimmung in den Griff zu bekommen. Der Rezensent vermisst im Band einfach ein schlüssiges Konzept. Stattdessen böten die Autoren immer neue Definitionsanläufe. Herauskommt ein zwischen unterschiedlichen Beispielen von Massenphänomenen (Occupy, Fußball etc.) und Darstellungsformen, von der Listung empirischer Befunde bis zur Anekdote, mäandernder Text, der dem Rezensenten nur verdeutlicht, wie wünschenswert eine gute Massensoziologie doch wäre.
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