Patricia Görg

Tote Bekannte

Zeitgeschichten
Cover: Tote Bekannte
Berliner Taschenbuch Verlag (BTV), Berlin 2005
ISBN 9783833304026
Kartoniert, 186 Seiten, 8,90 EUR

Klappentext

Eine Art zeitgenössische Archäologie: Vier Geschichten aus dem europäischen Gedächtnis treten wieder zutage, sind aber nicht mehr das, an was wir uns zu erinnern glauben. Fakten kippen ins Groteske; die Historie singt Elegien; manches endet als böses Märchen. Honecker, die Royals, Mitterrand und Ceausescu kommen uns nur zu bekannt vor, doch wenn wir ihnen hier noch einmal begegnen, wird uns unsere eigene Zeit fremd. Im militärisch abgeriegelten Ort Güstrow öffnet sich 1981 ein Seitenfenster des Rathauses: Die Gesichter von Erich Honecker und Helmut Schmidt erscheinen. Sie sind kurz davor, das Protokoll zu durchbrechen. Auf dem Fensterbrett liegt Schnee. François Mitterrand gibt sein letztes Essen im Freundeskreis. Zwischen erkalteten Vulkanen breitet man sich Servietten über den Kopf, redet vom Leben. Groß war es, unpünktlich, aber grandios. Zurück bleiben die Schnäbel kleiner Vögel. Wen haben die Royals, gefangen im endlos kreiselnden Mandala aus Götterszenen und Klatschgewimmel, seit 1997 in ihrer Mitte? Unsere Prinzessin Diana, weiß zusammengekrümmt. Sie muss endlich Ruhe geben in ihrem Grab. Nicolae und Elena Ceausescu, ganz oben auf einer unfertigen Marmortreppe, sehen in dem Land unter sich keine Revolution ausbrechen. Ihr Blick geht nach Nordkorea. Schreie steigen auf, vermehren sich - Nicolae Ceausescu hat anderes im Kopf.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.07.2006

Ein seltsames Panoptikum hat Patricia Görg für ihren Prosaband "Tote Bekannte" zusammengetragen, bei denen es sich tatsächlich um "bekannte Tote" handelt, wie Christoph Bartmann aufklärt: Prinzessin Diana, Francois Mitterand, Erich Honecker und Nicolae Ceausescu. Doch je länger der Rezensent las, umso enger und sinnvoller fügten sich für ihn die Erzählungen zusammen, in denen er schließlich "elegische, komische, unheimliche Physiognomien der Macht in Erwartungen des Todes" erkennen konnte. Was als realpolitischer Nachrichtenstoff beginne, ende als Gespenstergeschichte, staunt Bartmann über Görgs Erzählungen, die etwa Helmut Schmidts Staatsbesuch bei Honecker zum Thema haben oder Mitterands Vorliebe für in Cognac ersäufte Fettammern. Gar nicht genug bekommen konnte Bartmann von diesen gruseligen Zeremonien, und die Autorin für ihre große Kunst gar nicht genug loben.

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