Mit 135 Farb- und 1287 Schwarzweiß-Abbildungen. Kastelle sind im Idealfall regelmäßige konzentrische Wehranlagen, die meist viereckig ausgebildet sind und an ihren Ecken gleichförmige Türme aufweisen. Derartige Konzeptionen finden sich in bemerkenswert einheitlicher Form quer über Reiche und Epochen hinweg von den frühen vorderasiatischen Hochkulturen über die Ägypter, Perser, Römer und Byzantiner bis ins mittelalterliche Europa sowie ins neuzeitliche Afrika und nach Asien.
In jahrzehntelanger akribischer Forschungsarbeit hat der Autor die wichtigsten Kastellgruppen inventarisiert, sie bautechnisch und politisch verkettet und etwa 900 Pläne und 11 Karten erstellt. Dadurch wird erstmals ein fundierter Überblick über dieses bislang kaum untersuchte Phänomen der Architekturgeschichte gegeben.
Neben der nach historischen Ländern gegliederten Katalogisierung sowie einer handwerklichen sowie konzeptionellen Verknüpfung einzelner Traditionen und Schulen werden für zahlreiche Herrschaftsgebiete politische Hintergründe erschlossen, die durchaus ein Gesamtsystem erkennen lassen: Offensichtlich handelt es sich fast ausschließlich um zentralistisch geführte Königreiche, die Kastelle als monumentale Hoheitszeichen an ihren Grenzen sowie an neuralgischen Zentralorten einsetzten. Sie dienten dort entweder als kasernenartige Truppenbasen oder als theatral inszenierte Residenzen, kaum jedoch als nur lokal bedeutende Kleinsitze. Durch die Homogenität von Form, Ausführung und Lage erreichte die Bauherrenschaft dabei oft eine modern wirkende Corporate Identity. In diesem Sinne geht der Autor von einem eigenständigen Bautypus der Architekturgeschichte aus, dessen Intention als "Staatsbauwerk" sowohl durch handfeste überregionale Funktionen als auch durch inhaltliche Aufladungen bestimmt war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2019
Rezensent Michael Mönninger ist traurig. Dass so staunenswerte Architektur wie Castel del Monte in Apulien oder vergleichbare Bauten in Altägypten und Persien auf Gewalt zurückgehen, wie Patrick Schicht ihm nahelegt, findet er deprimierend. Dem quantitativ beeindruckenden Band des Architekturhistorikers Schicht entnimmt er darüber hinaus leider wenige Deutungen. Die Beschränkung auf Wehrbauten, "pauschale" historische Einordnungen und Grundrissanalysen findet er etwas enttäuschend, zumal dem Buch ein Ortsregister zur Orientierung fehlt. Die ein oder andere touristische Sehenswürdigkeit wiederzuerkennen, genügt Mönninger nicht.
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