Paul Berman

Idealisten an der Macht

Die Passion des Joschka Fischer
Cover: Idealisten an der Macht
Siedler Verlag, München 2006
ISBN 9783886808465
Gebunden, 283 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Helmut Dierlamm und Werner Roller. Der lange Marsch ans Ende der Illusionen: Mit der rot-grünen Regierung endete, was einst als "Marsch durch die Institutionen" begann. Paul Berman zeichnet ein außergewöhnliches Porträt der Generation, die 1968 aufbrach, die Gesellschaft zu verändern. Die politische Biographie Joschka Fischers bildet den roten Faden dieser faszinierenden Geschichte der Wandlungen, die der Idealismus der Linken auf dem Weg zur Macht durchlief.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2006

"Von Paul Berman ist man besseres gewohnt", gibt Robert Misik enttäuscht zu Protokoll. Es sind nicht nur die "grotesk-depressiven Schlusswendungen", in denen Berman das Ende der Achtundsechziger wie Joschka Fischer in der Politik beklagt, die Misik missfallen, sondern auch Bermans engstirnige und bedingungslose Befürwortung von internationalen Interventionen, wenn die Menschenrechte bedroht sind. Zudem ist dieser sogenannte "Menschenrechtsbellizismus" in den Augen des Rezensenten auch nicht die einzige Frage, über die sich eine moderne Linke heute definieren sollte. Alles in allem ein Buch also über Joschka Fischer und damit vor allem über "Berman und seinesgleichen", meint Misik, der Berman als "klugen Kopf" schätzt, auf dieses Buch aber offensichtlich auch gut hätte verzichten können.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Gunter Hoffmann würde sich vielmehr intellektuelle Kreuzfahrer wie Paul Berman wünschen, die den politischen Diskurs über den Atlantik hinweg derart vergnüglich gestalten. Paul Berman, instruiert uns Hofmann, zählt zu den amerikanischen 68er und jetzigen "Neuen Linken", dessen Helden europäische Linke wie Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit, Bernard Kouchner, Regis Debray und Adam Michnik sind - Menschenrechtsaktivisten und Moralisten, die durchaus zur militärischen Intervention bereit sind, wenn es gilt, antitotalitäre Ideale durchzusetzen. Denn wie Berman schreibt, gelte es den Gegner zu wechseln, nicht den Widerstandsgeist. Doch so gern Hofmann dieses Buch gelesen hat, so wenig will er Berman folgen. Hofmann bezweifelt nicht nur, dass der Brückenschlag zwischen humanitären und militärischen Interventionismus wirklich gelingen kann. Er hält es auch für eine recht einfache Konstruktion, Bomben auf ein Regime einzig mit dem Hinweis auf dessen Opfer zu legitimieren. In Schwarzweiß male Berman die heutigen Gegnerschaften aus, Totalitarismus gegen Demokratie, das "reine Gute" gegen das "reine Böse" und teile die gesamte Weltarena mit auffallender "Lust am Manichäischen" allein in Interventionsbefürworter und -gegner auf. Und auch von den ständigen Hinweisen auf Srebrenica fühlte sich Hofmann irgendwann moralisch erpresst.

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