Aus dem Englischen von Wolfgang Müller. Hat Claude Martingale gehofft, er könne seinem Leben als Banker durch seinen Umzug von Paris nach Dublin die ersehnte Wende geben? Sein neuer Job in der aufstrebenden Bank von Torabundo raubt ihm jedenfalls schnell jegliche Illusion. Auch hier verbringt er, wie alle seine Kollegen, seine Tage und Nächte einzig im Dienste des Geldes. In diese lähmende Eintönigkeit platzt der Schriftsteller Paul, der, auf der Suche nach neuem Stoff, Claude zu seinem modernen Jedermann erkoren hat, zum Helden seines künftigen literarischen Meisterwerks. Unter Pauls höchst erfindungsreichem Einfluss wird Claudes Leben tatsächlich aufregender, besonders als die schöne griechische Kellnerin Ariadne ins Geschehen tritt.
Doch Paul treibt ein doppeltes Spiel, und auch die Bank von Torabundo erweist sich als weniger ehrenwert als erhofft: zwielichtige Übernahmen, dubioser Derivatehandel und eine neue Unternehmensstrategie, die sich 'kontraintuitives Handeln' nennt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2017
Es gibt wenige gute Banker-Romane, aber dieser hier ist einer davon, versichert Rezensent Martin Halter. Zum einen, weil Murrays Geschichte um den mit seinem Dasein hadernden Banker Claude, der einem erfolglosen Schriftsteller auf den Leim geht, so sorgfältig recherchiert ist und authentisch erzählt wird, dass der Kritiker nicht sicher ist, ob es sich um Wahrheit oder Fiktion handelt. Zum anderen, weil der irische Autor sowohl lehrreiche und eindringliche Einblicke in die Finanzbranche und die Seelen ihrer Akteure liefert und zugleich eine romantische Liebesgeschichte unterbringt, lobt der Rezensent, der bisweilen gar Anklänge an James Joyce vernimmt. Und wenn Murray dann auch noch auf der Metaebene über den modernen Schriftsteller zwischen Kunst und Kommerz nachdenkt, schaut der Kritiker auch gern darüber hinweg, dass nicht jeder Witz und jede Pointe gleichermaßen zündet.
Das Bankensystem verstehen sowieso nur Leute, die auch AGBs lesen können, weiß Klaus Ungerer, aber auch spritzige Komödie sind nicht Jedermanns Sache. Paul Murrays Roman "Der gute Banker" hat den Rezensenten denn auch nur mäßig begeistert. Das liegt nur zum Teil an dem etwas müden Plot über einen irischen Banker, der aus seinem Leben einen Roman machen lassen will, während der dafür angeheuerte Autor durchaus eigene Ziele verfolgt. Es liegt in Ungerers Augen mehr noch an dem von vornherein zum Scheitern verurteilten Vorhaben: Einer Branche, die der Irrsinn par excellence geworden ist, könne man nicht mit ulkigen Kuriostäten habhaft werden.
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