Aus dem Englischen von Eva Regul. Der Schriftsteller Paul Fotheringay kann es nicht fassen: Nicht genug, dass ihn seine Angebetete Marcella verschmäht. Sein tödlich ernstes Romandebüt wird von der Presse als das lustigste Buch des Jahres gefeiert. Um zumindest seinen literarischen Ruf wiederherzustellen, recherchiert er für eine Biografie über die viktorianische Schriftstellerin Mary Bobbin und schleicht sich auf Compton Bobbin, dem Anwesen ihrer jagdbesessenen Nachfahrin, ein. Lady Bobbin organisiert dort eine Weihnachtsfeier mit wild zusammengewürfelten Gästen: Es treffen u. a. ihre rebellische Tochter Philadelphia, deren Schar an Verehrern und eine Horde ungezogener Kinder aufeinander. Und dann ist da noch Pauls Bekannte, die schöne Ex-Kurtisane Amabelle Fortescue, die ihre Feiertage zufällig in einem nahegelegenen Cottage verbringt ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.01.2025
Rezensentin Sylvia Staude fühlt sich gut unterhalten von Nancy Mitfords 1932 erschienenem Sittenroman über kapriziöse Liebschaften, künstlerische Ambitionen und andere Freizeit-Beschäftigungen der englischen Upper Class in den 30er Jahren. Zwar erreicht Mitford nicht ganz das Level an subtiler Ironie, mit dem etwa eine Jane Austen ähnliche Konstellationen und Konflikte beschreibt. Doch sie erweist sich auch hier, in einem ihrer frühen Romane, von denen Mitford selbst später nicht viel hielt, als scharfe Beobachterin mit viel Witz. Auch ist ihr Stil durchaus elegant, nur etwas dick aufgetragen, so Staude. Erstaunlich findet die Rezensentin außerdem, wie zeitgemäß, wie aktuell vieles von dem wirkt, was Mitford so lebendig zu beschreiben weiß - etwa einige Gedanken zum Thema Selbstverwirklichung. Eine schöne (Wieder-)Entdeckung ist dieser "herrlich bissige" Roman also alle mal.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2024
Völlig begeistert ist Rezensentin Gina Thomas nicht von Nancy Mitfords nun auf Deutsch vorliegenden, ursprünglich 1932 erschienenen Roman, aber einigen Spaß hat sie an der Lektüre schon. Im Zentrum des Buches steht ein Schriftsteller, Paul Fotheringay, der, um endlich als Ästhet ernst genommen zu werden, ein Werk über Maria Bobbin schreiben will, eine verstorbene Dichterin. Da deren Schwiegertochter ihm den Zugang zum Archiv der Toten nicht gestatten will, muss Fotheringay zu Tricks greifen, in die unter anderem eine Ex-Kurtisane und ein Bobbin-Sprössling, der sich als Taugenichts erweist, involviert sind. Die Rezensentin stellt einige der skurrilen und, im Stil Charles Dickens', auch skurril benannten Figuren vor und gleicht das Personal außerdem mit Mitfords Biographie ab - die Autorin hat in der beschwingt erzählten Geschichte Verweise auf Freunde, Verwandte und Bekannte untergebracht. Zentrales Thema ist die Spannung zwischen Liebe und ökonomischer Vernunft, also der Suche nach einer guten Partie, wenn die Figuren über die Unmöglichkeit des Glücks sinnieren, schleicht sich bisweilen ein pathetischer Ton ins bissige Parlieren. Ein bisschen angestaubt ist das alles gelegentlich schon, meint die sich dennoch gut unterhalten fühlende Rezensentin abschließend, und nennt als Beispiele die freilich von der guten Übersetzerin Eva Regul getilgten N-Wörter sowie die auffällige Abwesenheit von Dienstpersonal.
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