Dieses Buch schildert die Entwicklung medizinischen Denkens in West und Ost. Es zeigt erstmals durchgehend für beide Kulturkreise die enge Bindung heilkundlichen Denkens an die gesellschaftlichen und ökonomischen Lebensbedingungen und an die Lebensentwürfe der Menschen. Überraschend ist eine weitgehende kulturübergreifende Parallelität der Traditionen. Paul U. Unschuld bietet in diesem Buch erstmals eine vergleichende Darstellung der Grundideen europäischer und chinesischer Heilkunst von der Antike bis in die Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2003
Der Rezensent Robert Jütte findet Paul U. Unschulds Buch über Medizin interessant und streitbar, auch wenn er einige Schieflagen in der Argumentation feststellt. So kommentiert Jütte gleich zum Einstieg seiner Kritik: "Man kann Unschuld jedenfalls den Mut zu plakativen Thesen nicht absprechen." Das fange an mit einer Unterscheidung zwischen Medizin und Heilkunde, die für Jütte streng, wenn auch durchaus nachvollziehbar ist. Zudem gelinge es dem Autor, etwa am Beispiel des alten Griechenlands, das die abendländische Medizin maßgeblich prägte, vorzuführen, inwiefern "medizinische Konzepte ihre Wurzel im jeweiligen gesellschaftlichen oder staatlichen Umfeld" haben. Zum Beispiel war der Glaube an die Selbstheilungskräfte des Körpers in dieser frühdemokratischen Zeit sehr ausgeprägt. Manchmal bewege sich Unschuld aufgrund einer schlechten Sekundärliteraturlage "auf dünnem Eis", besonders bei seiner Analyse antiker Medizin. Das chinesische Verständnis von Medizin auf Grundlage der politischen Rahmenbedingungen in China findet Jütte dagegen besser belegt. Doch um mit seiner These wirklich zu überzeugen, hätte Unschuld nach Auffassung des Rezensenten auch untersuchen müssen, "ob die altindische Medizin ebenfalls Analogien zur staatlichen Entwicklung der indischen (Teil-)Reiche" aufweist.
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