Paul Virilio

Paul Virilio: Bunker-Archäologie

Cover: Paul Virilio: Bunker-Archäologie
Spector Books, Leipzig 2026
ISBN 9783959057356
Gebunden, 212 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Bernd Wilczek.  Anlässlich einer Ausstellung im Centre Pompidou erscheint eine Neuedition in deutscher, englischer und französischer Sprache. Die Arbeit an seiner Bunker-Archäologie machte Paul Virilio (1932-2018) zu dem Autor, als den man ihn heute kennt. Als er in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre begann, die verlassenen Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg entlang der französischen Atlantikküste zu fotografieren, war er als Kunst-Glaser tätig. 1966 trat er in der Zeitschrift architecture principe, deren Mitherausgeber er war, erstmals mit seinen Fotografien an die Öffentlichkeit. Damals interessierten ihn vor allem die architektonischen Aspekte dieser Kriegsbauten. Er las die Bunker als "Vorboten einer neuen Architektur", die er mit dem Begriff der Kryptischen Architektur zu fassen suchte. 1975 zeigte das Centre Pompidou in seiner Gründungsphase Virilios Bunker-Archäologie erstmals in einer Ausstellung. Parallel dazu erschien sein bahnbrechendes Buch, in dem alle Motive seines philosophischen Denkens bereits angelegt sind: militärischer Raum und Kommunikationskrieg, Täuschung und Beschleunigung, akribische Lektüre der Gegenwart und Lust an philosophischer Spekulation. Auch knapp 50 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung bleibt die Bunker-Archäologie ein Werk voller Bezüge zur Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2026

Rezensent Tal Sterngast freut sich über die Möglichkeit, Paul Virilios Buch über Bunker in einer neuen Ausgabe zu begegnen. Virilio verfasste den Text ursprünglich 1958, er entstand in Auseinandersetzungen mit den nazideutschen Bunkeranlagen am sogenannten Atlantikwall. Virilios recht kurzer Text zieht Verbindungen zwischen den Bunkern und Sakralbauten mehrerer Kulturen, letztlich stehen sie für den Autor für ein Konzept von Architektur, das sich nicht mehr den Menschen als Maßstab nimmt. Außerdem markieren sie für Virilio den Moment, in dem sich Krieg von einem Kampf um Kontrolle von Territorium zu einer Schlacht auf dem Feld der Information wandelt und den Moment "als der Himmel in den Krieg eintrat". Die neue Fassung, freut sich Sterngast, orientiert sich in der grafischen Gestaltung an der Erstveröffentlichung, wodurch insbesondere das für Virilio sehr wichtige Bildmaterial gut zur Geltung kommt. Insgesamt eine inspirierende Veröffentlichung, so der Tenor der Besprechung.

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