Selbstregulierung des Herzens
Roman

Galiani Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783869713359
Gebunden, 304 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Selbstregulierung des Herzens entfaltet ein vielfältiges Panorama des Lebens in der DDR und im frisch wiedervereinigten Deutschland. Im Zentrum stehen Georg, der anfangs noch hofft seinen Staat mithilfe von ersten Computern und Kybernetik vorwärtszubringen, und die Künstlerin Mona. Um sie herum entwickelt sich ein reiches Ensemble an Figuren: der illusionslose Intellektuelle Roland, der in den Westen flieht; Marlies, die versucht,das System von innen zu reformieren, sowie die Künstlerfreunde Monas. Alle treffen sich in einem Dorf in der Nähe von Wandlitz, wo bald seltsame geheime Bautätigkeiten beginnen. Mit stiller Wucht schreibt Peggy Mädler über das Flirren zwischen Halt und Auflösung - über Nähe und Entfremdung, Anpassung und Resilienz.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2026
Rezensent Paul Jandl bewundert, wie Peggy Mädler in ihrem Roman die Pulsfrequenzen des Staates der DDR mit dem ihrer das private Glück suchenden Figuren abgleicht. Dass die Synchronisation der Frequenzen nicht stattfand, erscheint Jandl am Ende der Lektüre umso tragischer, als sich aus dem privaten Glück möglicherweise auch ein nationales hätte ableiten lassen können. Die Wirklichkeit der DDR-Planwirtschaft sah anderes vor, lernt der Rezensent mit dem Roman auf anschauliche Weise. Raffiniert findet er die parallelisierende Darstellung von Staat und einer Gegenwelt des Glücks, für die Mädler das Symbol der Datsche findet. Die sprachliche Sachlichkeit im Text erscheint Jandl passend zur grauen Monotonie des DDR-Alltags. Ein Roman der stillen Thesen, so Jandl.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 30.05.2026
Für den Rezensenten Heiko Zwirner liefert Peggy Mädler mit ihrem neuen Roman eine weitere differenzierte Betrachtung ihres bisherigen Hauptthemas, des Lebens in der DDR. Diesmal geht es anhand der Hauptfigur Georg um die scheiternden Reformbestrebungen der Kybernetiker; nach dem Zerplatzen dieser Träume zieht sich der Computerpionier mit seiner Familie auf eine Datsche nördlich von Berlin zurück, wo er der Künstlerin Mona begegnet. Besonders beeindruckend findet der Kritiker dabei, wie Mädler, selbst Inhaberin eines solchen Bungalows einer in den 60er Jahren errichteten Feriensiedlung, dieses damals sehr beliebte Milieu erkundet: als ein "scheinbar unbehelligter Mikrokosmos", in den der Machtapparat der Regierung aber eben doch hineinwirkte. Auch, wie ambivalent die Autorin ihre Figuren wieder entwerfe und Täter-Opfer-Schemata unterlaufe, indem sie zeigt, wie gerade auch regierungskritische Individuen wie Georg und Mona auf ihre Weise zu "Stützen des Staatsapparats" wurden, auch wenn sie sich "nur" arrangierten, ist für Zwirner ein großes Verdienst des Buchs. Eine weitere kluge Auslotung von "Handlungsspielräumen in einem repressiven Staat", lobt er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026
Wenn die Schriftstellerin Peggy Mädler in ihrem neuen Roman eine ostdeutsche Dorfgeschichte der achtziger Jahre entwirft, dann zeichnet sie kein Skandalbild, so viel steht für Rezensentin Insa Wilke fest. Aber sie schaffe auch kein nostalgisches oder verharmlosendes DDR-Idyll. Vielmehr erzähle Mädler ganz aus der Innenperspektive ihrer beiden Hauptfiguren, dem Programmierer Georg und der Malerin Mona, die beide den Ansprüchen des Lebens in Ost-Berlin in einem Brandenburger Dorf zu entkommen versuchen. Der Rezensentin gefällt, wie ruhig Mädler erzählt, wie selbstverständlich sich die Menschen in ihrem Leben und im System einrichten. Der Idylle entgegen wirkt die Kybernetik, betont Wilke, aber auch der Blick von außen, dem sich 1989 eine misstrauische, verschlossene und verhärtete Gesellschaft zeigte.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.03.2026
Ein DDR-Roman ist Peggy Mädlers "Selbstregulierung des Herzens", aber keiner der lauten Art, kein Debattenroman, der mit den großen Diskursen liebäugelt, erklärt Rezensent Helmut Böttiger. Mädler schreibt sich nah an ihre Figuren heran, ihre Stimmungen, ihre "Sprach- und Denkformen" und macht so das Leben in der DDR nachvollziehbar - nicht durch oktryoierte Erklärungen, nicht durch Psychologisierung oder Romantisierung, sondern von innen heraus, so Böttiger. Einfühlsam und versiert, auf zurückhaltende, konzentrierte Weise erzählt Mädler von den Wirtschaftsstudenten Georg und Roland etwa, die sich von der Aufbruchsstimmung der 60er Jahre anstecken lassen, vom Fritzsch, der sich aus alten Holztüren ein Bungalow zimmert oder von Mona, Konrad, Rita und Volker, deren Kommune langsam in die Brüche geht. Anhand dieser sehr realistischen Geschichten macht die Autorin die "Selbstregulierung des Herzens" sichtbar - das Zurechtkommen in der Mangelwirtschaft - und erklärt somit auch das Scheitern dieses Systems aus dem Alltag der Menschen, so der bewundernde Rezensent.