Percival Everett

Dr. No

Roman
Cover: Dr. No
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446284173
Gebunden, 320 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

 Übersetzt aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. Dr. No ist ein renommierter Professor für Mathematik an der Brown University, Experte für das Nichts. Das macht ihn zum perfekten Berater für den Schwarzen Milliardär John Sill. Dieser will einen in Fort Knox bewahrten Schuhkarton knacken, in dem sich angeblich "nichts" befindet. Denn wer das Nichts kontrolliert, soll die Weltherrschaft an sich reißen können - und Sill sinnt wegen der jahrhundertelangen Ungerechtigkeit der Weißen auf Rache. Ein Spionageroman und ein satirischen Seitenhieb auf Ethnie und Macht in den USA geschrieben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.10.2025

Rezensent Jörg Häntzschel hatte große Erwartungen an den neuen Roman des hochproduktiven und an sprachlichen und literarischen Experimenten interessierten Percival Everett, doch die kann das Buch leider nicht ganz einlösen. Es geht um den bond-artigen Bösewicht John Sill, ein Milliardär, dessen Anliegen die Weltzerstörung ist, wie Häntzschel schildert, zur Hilfe nimmt er sich den Mathe-Professor Wala Kitu, der sich auf das Nichts spezialisiert hat. Um dieses Nichts geht es dann ständig, oft in Witzen, die mit der Mehrfachbedeutung des Wortes spielen und die sich für den Kritiker doch relativ schnell abnutzen. Aus den rasanten Schauplatzwechseln, der Luxuskulisse und den interessanten, autistischen Nebencharakteren hätte sich sicher mehr machen lassen als aus den Wortspielen, die sich für ihn irgendwann wie ein "pedantischer Lehrtext" lesen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.09.2025

Mit Percival Everetts neuem Roman hat Rezensentin Eva Behrendt ein interessantes Stück Nerdgeschichte und selbstreflexiver Metafiktion vor sich: Die Rahmenhandlung umfasst als Protagonisten den Mathematik-Professor Wala Kitu, der sich für das Nichts interessiert und gemeinsam mit seiner Kollegin Eigen Vector und einem obskuren Milliardär beschließt, Fort Knox zu überfallen und eine Stadt in Massachussetts dem Erdboden gleichzumachen. Diese Handlung dient für Behrendt aber eher dazu, Raum zu schaffen für allerhand hochphilosophische Gedanken zum Nichts, die schon in den Figurennamen angelegt sind, die die Zusammenhänge zwischen Sprache, Zeit und dem, was wir nicht beschreiben können, verdeutlichen und eine wahre "Denksportolympiade" ausmachen. Das ist zwar spannend, aber auf Dauer auch etwas anstrengend, resümiert die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.09.2025

Insgesamt gut gefällt Rezensent Maximilian Mengeringhaus Percival Everetts neuer Roman. Der lehnt sich deutlich an Spionagefilmen von Bond bis Austin Powers an und erzählt die Geschichte eines Mathematikers namens Wala Kitu, der sich auf das Thema des "Nichts" spezialisiert hat und es mit einem Superschurken namens Sill zu tun bekommt, der nach einem rassistischen Mord nach Rache sinnt und Fort Knox berauben will. Abgesehen habe er es ebenfalls auf: nichts. Sill und Wala Kitu machen erst gemeinsame Sache, dann nicht mehr, beschreibt der Rezensent, der außerdem erläutert, inwiefern sich der Roman auf Trumps erste Amtszeit bezieht, ohne dass freilich allzu direkte politische Anspielungen auftauchen. Der neue Roman ist nicht der allerbeste seines Autors und kommt nicht gar so schnell in Schwung, findet Mengeringhaus, der dennoch wieder sehr angetan davon ist, wie Everett politische Haltung mit packender Fiktion verknüpft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.09.2025

Rezensent Paul Jandl fühlt sich in Percival Everetts neuem Roman wohl. Wie schon der Titel nahelegt, bedient sich der popkulturell umtriebige Autor diesmal beim Spionageroman und den Bond-Filmen, die Hauptfigur allerdings, erzählt uns Jandl, ist ein schwarzer Mathematiker namens Wala Kitu, dessen Name auf zwei unterschiedlichen Sprachen "Nichts" bedeutet. Um ein ebensolches Nichts geht es auch inhaltlich, Wala Kitu soll für einen Milliardär namens Sill ein ebensolches erbeuten - und zwar ausgerechnet in Fort Knox, wo ja angeblich, aber vielleicht eben auch nicht, Amerikas Goldreserven lagern. Viel Lärm um Nichts also, aber eben toller Lärm um tolles Nichts, findet Jandl, es kommen  "illustre Charaktere" vor, unter anderem eine einbeinige Bulldogge, die philosophieren kann, oder die "verführerische Gloria", die den Mathematiker ziemlich bedrängt und deren Küsse "nach Nudelsieb" schmecken. Auf das aktuelle Amerika bezieht sich das alles durchaus, lesen wir weiter, Everett parodiert die "Make America Great Again"-Ideologie und lässt ausgerechnet die in der echten Welt oft angefeindeten Wissenschaftler zu Helden werden. Nikolaus Stingl hat, lobt der Rezensent außerdem, dieses kauzige Buch in "wunderbar gaunerhaftes Deutsch" übersetzt. Insgesamt beschreibt Jandl Everetts Roman als eine anregende, durchaus hochaktuelle Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.08.2025

Rezensentin Sylvia Staude führt sich einen ziemlich absurden Roman von Percival Everett zu Gemüte, der sich mit dem Nichts in parodistischer Bond-Manier auseinandersetzt: Der afroamerikanische Milliardär John Sill hat alles, was man als Reicher braucht, aber er will Rache nehmen für den Tod seiner Eltern. Dafür heuere er den Mathematikprofessor  Wala Kitu an, schon dessen Name bedeute Nichts in zwei Sprachen und zudem erforsche er genau das: Nichts. Er soll nun das Fort Knox  überfallen, um darin das "zerstörerische Nichts" zu finden, das er  über das Land bringen soll - aber wie das genau aussehen soll, bleibt für Staude spannendes Rätsel und Spiel mit Paradoxien, bei dem ihr auch die vielen absurd-komischen Nebenfiguren gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2025

Sandra Kegel ist hellauf begeistert vom Umkreisen des "Nichts" in Percival Everetts von Nicolas Stingl "glänzend" übertragenem Romanexperiment. Dass ein Text über nichts so unterhaltsam und anregend sein könnte, hätte Kegel nicht gedacht. Everett kreuzt seine mit mathematischem Jargon gewürzte philosophisch-politische Matrix laut Kegel gekonnt nicht nur mit Kalauern, sondern mit einer genremäßigen Ganovenstory, die einem 007-Streifen in Sachen Action, fantastische Orte und Klischees in nichts nachsteht. Wenn der Autor seinen Protagonisten, einen Mathematiker, auf einen Milliardär treffen lässt, der sich mit seiner Hilfe am Rassismus gegen Afroamerikaner rächen will, ist das für Kegel also vergnüglich, auch wenn Everett seine Idee, einen abstrakten Roman zu schreiben, natürlich nicht einlösen kann.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.08.2025

Auch wenn dieser Roman wohl nicht als Hauptwerk des Autors durchgeht, wie Christoph Schröder vermutet, macht dem Rezensenten Percival Everetts Story über einen autistischen Mathematiker und Erforscher des Nichts, der einen Teufelspakt mit einem Milliardär mit Großmachtfantasien eingeht, allerhand Spaß. Mit vielen Gagideen, überraschenden Wendungen und Verweisen auf die guten alten James Bond-Filme und den Nihilismus unserer Zeit bringt Everett seinen Text auf Touren, erklärt Schröder begeistert. Man darf das Buch nur nicht mit einem realistischen Roman verwechseln und sollte sich auf seine Abstrusitäten und 007-Referenzen einlassen, dann bietet es jede Menge turbulente, komische Unterhaltung, versichert der Rezensent.

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