Sylvie Schenk

In Erwartung eines Glücks

Roman
Cover: In Erwartung eines Glücks
Hanser Berlin, Berlin 2025
ISBN 9783446284227
Gebunden, 176 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Irène, eine deutsch-französische Schriftstellerin, wird mit Verdacht auf einen Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert. Bald schon gibt es Entwarnung, aber sie muss vorsorglich einige Zeit in der Klinik bleiben und richtet sich dort ein. Ironisch-sarkastisch beschreibt sie ihren neuen Alltag zwischen Krankenzimmer und Untersuchungen. Sie erinnert sich an ihren Mann, der erst vor kurzem gestorben ist, sie lernt ihre Zimmergenossin Ada kennen, eine junge Muslima, und einen rätselhaften Patienten, den sie den "Froschmann" nennt und der sie an Houellebecq erinnert. In der Auseinandersetzung mit ihm denkt sie über ihr eigenes Schreiben, über Leben und Tod nach. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2025

"Wunderlich ironisch und doch schön" ist Sylvie Schenks Roman für Rezensentin Judith von Sternburg - und dazu eine "Gratwanderung". Das liegt vor allem an den Gedanken von Schenks Erzählerin (in der Sternburg unschwer die Autorin selbst erkennen kann) zum französischen Autor Michel Houellebecq. Dessen Buch "Vernichtung" liest Irène, die mit Verdacht auf einen Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert wurde, nämlich mit Hingabe. Houellebecqs Erzählung dient ihr als Ausgangspunkt zu Gedanken über die Liebe und den Tod, gegen den Irène im Krankenhaus aufbegehrt. Die Verehrung des Textes gerät zu einer Art Obsession, verrät Sternburg, das ist ein bisschen verrückt und gleichzeitig witzig. Die "Verve", mit der Irène, die ebenfalls Schriftstellerin ist, den Houellebecq-Text auch vor ihrem Übersetzer verteidigt, beeindruckt die Kritikerin: die Erzählerin ist sich nicht über seine politischen Ansichten klar, verteidigt aber die Freiheit und Nuancen der Kunst. Auch traumartige Sequenzen, poetische Einsprengsel und die teilweise skurillen Dialoge mit dem geheimnisvollen "Froschmann", den Irène im Krankenhaus kennenlernt, gefallen Sternburg sehr. Eine nachdrückliche Empfehlung!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2025

Rezensentin Katharina Teutsch gibt nicht allzu viel preis in ihrer Kritik zu Sylvie Schenks "Spätwerk". Die 1944 in Frankreich geborene Autorin widme sich darin, wie schon in ihrem Roman "Maman", dem Verstummen einer Person: dieses Mal nicht der Mutter, sondern des verstorbenen Ehemanns der Hauptfigur Irène, die mit Hirnhautentzündung im Krankenhaus liegt, viel über die Ehe nachdenkt und sich dabei - gedanklich und wortwörtlich - an Michel Houellebecqs "Anéantir" festhält. Auch dort geht es ums Altern und um ein plötzliches Bekenntnis zur Ehe, rekapituliert Teutsch; und Irène gelangt im Laufe des Romans ebenfalls zur Erkenntnis, dass ihre Ehe trotz vielen Schweigens nicht so schlecht war - eine "triviale wie triftige Erkenntnis", meint Teutsch. Auch eine von ihr beobachtete Figurenüberblendung des verstorbenen Ehemanns mit einem grün gekleideten, daher "Frosch" getauften Krankenhausgastes kommt der Kritikerin zunächst "abgeschmackt", dann doch irgendwie sinnig vor. Immerhin attestiert sie Schenk eine "gelungene Pointe" am Romanende. So richtig überzeugt scheint die Kritikerin nicht zu sein.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.07.2025

Die Frage, ob Sylvie Schenks neuer Roman autobiografisch, erübrigt sich für Rezensentin Sigrid Brinkmann: Das schert die deutsch-französische Schriftstellerin auch nicht, weiß sie. Und so liest die Kritikerin einfach ein grandioses Buch, in dem eine mit Verdacht auf Schlaganfall im Krankenhaus liegende Achtzigjährige Michel Houellebecqs Roman "Vernichten" über einen todgeweihten Helden durcharbeitet und plötzlich beschließt, ein ähnliches Buch zu verfassen. Herauskommt ein wunderbar "uneitler" Roman, in dem Schenk nicht nur den Krankenhausalltag samt Mitpatienten literarisch beschreibt, sondern auch Erinnerungen und Träume miteinander verwebt, ihre Rolle als Schriftstellerin reflektiert und nicht zuletzt ihre Anfänge als Lyrikerin parodiert. 

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