Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence. Ein New Yorker Ehepaar reist mit dem Zug in eine abgeschiedene, schneeverwehte Kleinstadt im Norden Europas, um im örtlichen Waisenhaus ein Kind abzuholen, das sie adoptieren wollen. Er hofft, durch das Kind seiner Frau wieder näherzukommen. Sie, gezeichnet vom Kampf gegen eine tödliche Krankheit, will ihn nach ihrem Tode nicht allein zurücklassen. Am Ziel ihrer Reise angelangt, quartieren sich die beiden im Grand Imperial Hotel ein, das von der Pracht längst vergangener Tage zeugt und in dem eine Handvoll skurriler Gäste logiert. Am nächsten Morgen setzt das Taxi sie fälschlicherweise nicht beim Waisenhaus ab, sondern vor dem Haus von Bruder Emmanuel, einem mysteriösen Heiler. Dies löst eine Reihe von Verwicklungen aus, die den Plan, das Kind abzuholen, nach und nach in den Hintergrund treten lassen.In diesem Buch darf nichts für bare Münze genommen werden - und nie weiß man, was als Nächstes geschieht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2022
Rezensent Andreas Platthaus gratuliert dem Liebeskind-Verlag zur Entscheidung, Peter Cameron ins Programm zu holen - nachdem Penguin ihn nicht mehr wollte. Und so taucht der Kritiker ein in diese moderne Schauergeschichte, folgt einem amerikanischen Ehepaar ins "Grand Imperial Hotel" irgendwo im Nordosten von Europa und hofft mit einer Gruppe verkrachter Existenzen auf Zukunft. Im Fall des namenlosen Paares soll die mit der Adoption eines Waisenkindes fortschreiten. Beide treffen allerdings auf Männer, die ihre jeweiligen Leben gehörig auf den Kopf stellen, verrät der Kritiker. Hier ist es noch stiller und unheimlicher als in Stephen Kings "Shining", fährt der Rezensent fort, der auch Anklänge an Roman Polanskis "Tanz der Vampire" und natürlich Bram Stokers "Dracula" ausmacht. Und wie Cameron durch eine Mischung aus autofiktionaler Erzählung und wörtlicher Rede Sogkraft erzeugt, ringt ihm außerdem Anerkennung ab.
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