Mit Zeichnungen des Autors. Seinen bevorzugten Themen blieb der durch seine Gedichte bekannt gewordene Sprachkünstler Peter Hammerschlag auch in der Prosa treu: Vom halbseidenen Glanz der Show- und Modewelt zu den Gegenwelten aus Kinder- und Tierperspektive spannt sich der Bogen seiner skurrilen Skizzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2002
In den dreißiger Jahren ist die Kleinkunst in Wien durch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zur Blüte gekommen, und einer der produktivsten Künstler der Untergrundszene sei der aus einer assimilierten jüdischen Intellektuellenfamilie stammende Peter Hammerschlag gewesen, informiert Günther Stocker. Die nun von Volker Kaukoreit und Monika Kiegler-Griensteidl edierte und kommentierte Auswahl von Prosatexten, die zwischen 1930 und 1937 in Wiener Zeitungen erschienen sind, gibt eine Kostprobe von dem Können Hammerschlags, seinem "Wortwitz", seiner Beobachtungsgabe und seinem eleganten Stil, mit dem er banale Alltagssituationen beschreibt, aber auch die Schickeria oder das Spießbürgertum Wiens aufs Korn nahm. Ein wenig befremdlich erscheint es dem Rezensenten allerdings, wie ein gebildeter jüdischer Autor in der Zeit der sich anbahnenden Katastrophe Texte von derartiger Leichtigkeit schreiben konnte. Was auch dahinterstecken mag, "unglaubliche politische Blindheit" oder vielmehr der verzweifelte Versuch, "an einem 'normalen' Leben festzuhalten", Stocker empfindet "dieses durchweg amüsante Geplauder eines begabten Humoristen" aus der heutigen Perspektive als "sehr weit entfernt".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2001
Andreas Platthaus ist begeistert von dem Prosaband des Schriftstellers Peter Hammerschlag, einem österreichischen Lyriker und "scharfzüngigem Spötter", der von den Nazis deportiert und ermordet wurde. Der literarischen Qualität der "skurrilen Tierbeobachtungen" tun die editorischen Ungenauigkeiten der Herausgeber keinen Abbruch, schreibt Platthaus und lobt die Aufnahme von Erstveröffentlichungen aus dem Nachlass sowie das Äußere des Bandes, der im Stil der dreißiger Jahre gehalten ist. Der Menschen und ihrer Schwächen nehme sich Hammerschlag in seinen Grotesken und Parodien liebevoll an: In seiner Erzählung "Die Affenparty" lässt der Autor beispielsweise eine "Gruppe blasierter amerikanischer Millionäre" im Geäst eines Baumes klettern. Köstlich, findet Platthaus, denn es verwundert einen nicht, dass die echten Baumbewohner eher Menschen gleichen als deren "humanoide Nachäffer". Ein weiteres literarisches Highlight des Bandes: "Portraits von Bulldoggen".
Liebhaber von Peter Hammerschlags Groteskgedichten kann der vorliegende Prosaband, so vorzüglich ediert und gestaltet er sei, ein wenig enttäuschen, vermutet Benedikt Erenz. Ein genuiner Erzähler sei der Satiriker und Kabarettist nicht. Hammerschlags Qualitäten liegen nach Erenz sehr viel eher im genau beobachtenden und im "poetisch ausfantasierten" Feuilleton. Hammerschlag, dessen in Auschwitz endendes Leben Erenz kurz skizziert, zeige die Welt als Kabarett. Wohin er blicke, zeigten sich ihm groteske Szenen des Alltags. Bei ihrer Schilderung gelingen ihm, so der Rezensent, plastische Porträts von seibernden Kindern und zeitungsmitlesenden Nachbarn.
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