Wie im "Floß der Medusa" erzählt Franzobel eine neue erfundene wahre Geschichte: Der Pathologe Thomas Harvey stiehlt Einsteins Hirn und behält es sein Leben lang. Am 18. April 1955 kurz nach Mitternacht stirbt Albert Einstein im Princeton Hospital, New Jersey. Seinem Wunsch entsprechend wird der Körper verbrannt und die Asche an einem unbekannten Ort verstreut. Vorher jedoch hat der Pathologe Thomas Harvey Einsteins Hirn entfernt, danach tingelt er damit 42 Jahre durch die amerikanische Provinz. Mit ihm erlebt Harvey die Wahl John F. Kennedys zum Präsidenten und die erste Landung auf dem Mond, Woodstock und Watergate und das Ende des Vietnamkriegs; und irgendwann beginnt das Hirn, mit Harvey zu sprechen.
Katharina Teutsch lacht sich schlapp mit Franzobels irrwitzigem Buch über einen Pathologen, der vierzig Jahre lang Einsteins Hirn im Einweckglas bei sich trug. Dass Einsteins Hirn in dieser langen Ehe sogar zu sprechen beginnt und einen guten Teil der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts miterlebt beziehungsweise schlagfertig kommentiert, wundert Teutsch dann auch nicht mehr. Brüllend komisch ist das Buch, weil Franzobel das alles "genialisch" arrangiert. Ein wahrlich pikareskes Abenteuer, findet Teutsch begeistert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2023
Von einer ganz verrückten Geschichte rund um das Hirn von Albert Einstein berichtet Rezensent Alexander Kosenina: Er fühlt sich an die antike Tradition der Totengespräche erinnert, wenn das nach dem Tod entnommene und vom Pathologen Harvey untersuchte Organ beginnt, ein Eigenleben zu entwickeln und Gespräche und Diskussionen zu führen. Darauf beschränkt es sich aber nicht, verrät der Kritiker, es mischt sich auch in das Leben des Pathologen ein und bedingt dessen Niedergang, privat wie beruflich. Die Konfrontation Harveys mit Studenten, die ihm unwissenschaftliches Denken vorwerfen, erinnert ihn zudem an jüngste Diskussionen um Genderforschung an der Humboldt-Uni. Kosenina werden all die Wendungen und Ereignisse, die angerissen werden, von Psychoanalyse über amerikanische Popkultur bis zur Frage der möglichen Erlösung des Einsteinschen Hirns durch den Glauben schnell zu bunt, er hätte sich weniger wildes Roadmovie und mehr "scharfsinnige Welterklärungen" gewünscht, resümiert er.
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