Klappentext

Er zählt zu den besten Fotografen der Welt, seine Porträts der Reichen und Schönen hängen in den wichtigsten Sammlungen. Ein Ereignis lastete jedoch als Trauma auf seinem Leben: Am 10. September 1928 war sein Vater während einer gemeinsamen Bergtour im Tiroler Zillertal tödlich verunglückt, noch am selben Tag wurde Philipp Halsmann wegen Verdachts auf Vatermord verhaftet. In dem politisch aufgeheizten Klima der Zwischenkriegszeit entwickelte sich aus dem Kriminalfall eine internationale Affäre. Martin Pollack ist den Spuren des Falles Halsmann gefolgt und hat sie in einem dokumentarischen Roman aufgezeichnet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

Ein wahrer Fall, zugetragen hat er sich vor mehr als siebzig Jahren. Was genau geschehen ist, weiß man bis heute nicht mit Gewissheit. Bei einer Wanderung im Zillertal kommt der jüdische Zahnarzt Murdoch Halsmann ums Leben, sein Sohn, der ihn begleitet hat, gerät unter Mordverdacht. Das Loch im Kopf Halsmanns nämlich stammt nicht vom Sturz, der das ganze zunächst nach einem Unfall aussehen lässt. Der Autor des Buchs, der einstige Spiegel-Redakteur Martin Pollack, hat sich durch die Archive gewühlt, diesem Fall hinterher, der vor allem seiner Folgen wegen der Erinnerung wert ist. An ihm nämlich kristallisierten sich die "antisemitischen Ressentiments" in Österreich, das ganze eskalierte, wie die Rezensentin Ursula März schreibt, zur "österreichischen Dreyfus-Affäre". Und darum interessiert es Pollack, der den Fall als "exemplum" nimmt, um, so wieder März, ein "Geschichts- und Bewusstseinsbild der späten zwanziger Jahre" erstehen zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2002

Brigitte Werneburg ist sehr angetan von dieser literarischen Rekonstruktion des Mordes an Phillip Halsmanns Vater und der des darauf folgenden Indizienprozess gegen den Sohn. Dieser Prozess war weniger von einer belastenden Beweislage als von einer antisemitischen Grundstimmung geprägt. Zu einer Verurteilung kam es trotzdem, die in den liberal eingestellten Teilen der Öffentlichkeit als eine Art österreichische Dreyfus-Skandal rezipiert wurde - so hat zum Beispiel Albert Einstein ein Gnadengesuch geschrieben. Werneburg lobt an dem Buch vor allem die genaue Recherche des Autors Martin Pollack und den Erzählstil, der "nüchtern, doch detailreich und dazu äußerst spannend" ist. Das Buch ist wohl auch deshalb interessant, weil es aus dem früheren Leben des später in den USA als Starfotograf berühmt gewordenen Halsmann erzählt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.09.2002

Philipp Halsmann, Sohn eines aus Riga stammenden Zahnarztes, ist in Österreich wegen Vatermordes angeklagt. Sogar so prominente Personen wie Fritz Kortner und Albert Einstein treten Ende der 20er Jahre für den Angeklagten ein. Der österreichische Autor Martin Pollack hat nun die Prozessgeschichte rekonstruiert, und die lese sich wie ein Krimi, findet Julia Encke. In der Besprechung werden zunächst die bisweilen skurril anmutenden Untersuchungen zur Todesursache des Vaters nachgezeichnet, die den wahren Grund des Absturzes im Tiroler Zillertal ermitteln sollten. Encke zeigt sich beeindruckt von dem Bemühen Pollacks, eine Geschichte wieder auferstehen zu lassen, von der man weiß, dass es keine Lösung geben wird. "Pollack begibt sich auf den schmalen Grat von Kriminalgeschichte und politischem Schauprozess." Halsmann ist später, nachdem er 1930 begnadigt worden ist, als Fotograf in Amerika bekannt geworden. Auch sind, wie wir erfahren, später Fotografien Halsmanns von der umstrittenen Bergtour aufgetaucht. Und genauso wie die späten fotografischen Zeugnisse Halsmanns nachträglich Aufschluss über das Verhältnis von Vater und Sohn hatten geben können, erinnert auch dieses spannende Buch Pollacks "wie wiedergefundene Bilder" an einen vergessenen Prozess. Pollack agiere, so Encke, "wie ein Fotograf in der Dunkelkammer."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2002

Es ist ein Verdienst, dass der österreichische Publizist Martin Pollack den in Vergessenheit geratenen "Fall Halsmann" mit seinem Buch wieder in Erinnerung ruft, freut sich Andreas Breitenstein. Philipp Halsmann oder Halsman (1906 bis 1979), wie er sich später nannte, erlangte schon in den dreißiger Jahren und später in den vierziger Jahren als Fotograf für "Life" und "Vogue" große Berühmtheit, berichtet der Rezensent. Bekannt wurde der Tiroler aber schon in einer ganz anderen Zeit. 1928 beschuldigte man ihn des Mordes an seinem Vater und verurteilte ihn zuerst zu zehn, später zu vier Jahren "scharfem Kerker", so Breitenstein. Pollack hat diesen Fall wieder aufgerollt und erzählt, lobt der Rezensent, ihn so spannend, dass man dieses Buch geradezu "atemlos" verschlingt. "Elegant objektivierend" und in einer "kühlen" Sprache zeichne Pollack das Geschehen jener Jahre nach, bewahre dabei auch an "unappetitlichen" Stellen "Contenance" und habe eine Perspektive gewählt, die das Erzählen vieler Geschichten ermögliche, ist Breitenstein beeindruckt. Denn im "Fall Halsmann" seien viele Welten aufeinandergeprallt: das "schwarze Tirol" mit dem "roten Wien", litauische Juden mit Antisemiten, "naive Rechtschaffenheit" der Provinz mit "intellektuellen Ansprüchen der Stadt".