Katalog zur Ausstellung. Künste und Wissenschaften gehören zu den exponierten Schauplätzen politischer und ideologischer Auseinandersetzung während des Kalten Krieges. Die Gründung einer freien Universität im Westteil Berlins markiert 1948 einen vorläufigen Höhepunkt in der wissenschaftspolitischen Konfrontation der Zonen. Dieser Band thematisiert politische und wissenschaftliche Polarisierungen, Konflikte und Frontstellungen am Beispiel einer der Gründungsdisziplinen der Freien Universität. Angesiedelt zwischen Theater-, Kultur und Wissenschaftsbetrieb, kommt der Theaterwissenschaft eine besondere Rolle im Dialog von Stadt und Universität zu.
Themenschwerpunkte des Bandes sind die universitäre Lehre und Forschung im Kalten Krieg, post-faschistische Universitätskarrieren, der Umgang mit jüdischem Erbe, studentisches Leben in der Frontstadt, Netzwerke und Seilschaften im Theater- und Kulturbetrieb West-Berlins sowie öffentliche Konflikte um das Theater.
Eva Behrendt ist Peter Jammerthal und Jan Lazardzig sehr dankbar. Dass die Herausgeber mit dem vorliegenden Band die Geschichte des theaterwissenschaftlichen Instituts der FU nach '45 aufarbeiten und die NSDAP-Vergangenheit seines Leiters Hans Knudsen thematisieren, scheint ihr überfällig. Die "skandalöse Kontinuität" wird dabei laut Behrendt nüchtern wie spannend "von allen Seiten" dargestellt, Knudsens akademische Dünnbrettbohrerei und sein konservatives Theaterverständnis nicht ausgespart. Beiträge des hoch interessanten Bandes behandeln den Kontext des Kalten Krieges ebenso wie die wissenschaftliche Bedeutungslosigkeit des Instituts unter Kundsen, erläutert die Rezensentin.
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