Der 50. Geburtstag ist Zäsur und Herausforderung in einem. Nichts führt einer Frau von 50 drastischer vor Augen, dass ihr etwas Problematischeres widerfahren ist, als die Bemühungen der Gratulanten, die Sache unbedingt ins Positive zu wenden. Ab jetzt wird das Gefühl, noch jung zu sein, von Jahr zu Jahr mehr in Frage gestellt. Petra Gerster, vor kurzem selbst 50 geworden, setzt sich sehr persönlich mit dem Älterwerden auseinander. Von den Lebensentwürfen ihrer Mutter und Großmutter erzählt sie ebenso eindrücklich wie von ihrer eigenen Karriere in einer männerdominierten Welt. Sie geht nicht nur auf die Belastungen ein, die mit dem Weg in die zweite Lebenshälfte verbunden sind, das veränderte Körpergefühl etwa oder die Angst vor abnehmender Attraktivität, sondern auch auf neue Freiheiten: Die Frau von 50 Jahren hat alle Erfahrung, die man im Leben braucht, ist entspannter im Umgang mit Partner und Kindern und hat es nicht mehr nötig, jeder Mode hinterherzulaufen, jedem alles zu beweisen. Beginnt jenseits der 50 nicht eine Erntezeit?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2007
Richtig glücklich geworden ist Julia Voss nicht mit Petra Gersters Buch über das Älterwerden von Frauen. Zwar findet sie die spezifischen Kränkungen, die berufstätige Frauen über 50 erfahren, durchaus einleuchtet beschrieben. Wieso die Autorin jedoch ältere Männer als Gewinnertypen begreift, die reihenweise junge Frauen abschleppen, ist ihr schleierhaft. Da, so mutmaßt die Rezensentin, muss Gerster wohl die Realität mit der Fiktion bzw. mit den Versprechungen der Pillenindustrie verwechselt haben. Ein bisschen mehr Skepsis, findet sie, hätte dem Buch gut getan.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.01.2007
Ausgesprochen interessant und unterhaltsam seien diese "Lebensplaudereien" einer Frau um die Fünfzig, befindet Rezensent Johan Schloemann. Allerdings müsse man zuvor seine Verachtung gegenüber dem, was gerne und eitel als "Gutmenschentum" denunziert werde, beiseite legen. Dann allerdings sei der Gewinn erheblich, auch wenn Petra Gerster alles andere als sichere Ratschläge gebe. Eher eine Art "erläuternder Zuspruch" sei hier zu haben, beispielsweise zu Themen wie Schönheitsoperation oder Hormonersatztherapie. Petra Gerster zufolge fehle für ihre Generation ein geeigneter Initiationsritus, der der historisch neuen Gruppe von selbstständigen Frauen im besten Alter einen Halt geben und die fehlenden sozialen Rollenmuster kompensieren könne. "Klugerweise", so der Rezensent, halte die Autorin bei den Berichten aus ihrem Leben die Balance zwischen "Befindlichkeit" und allgemein relevanten Geschichten. Mit dem schönen Resultat eines Buches, das "jeden" interessieren "kann".
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…