Philipp Felsch

Laborlandschaften

Physiologische Alpenreisen im 19. Jahrhundert
Cover: Laborlandschaften
Wallstein Verlag, Göttingen 2007
ISBN 9783835301597
Kartoniert, 252 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

Die Alpen und kein Ende: Berg- und Gipfelerlebnisse haben nach wie vor literarische Konjunktur. Dabei sind die Seelen- und Körperlandschaften des Gebirges längst vermessen, seine erhabenen Schrecken längst Klischee. Philipp Felsch ermöglicht in seiner Kulturgeschichte der Physiologie in den Alpen einen neuen Zugang zum anhaltenden Faszinosum "Mensch am Berg". Er richtet sein Augenmerk auf jene modernen Erben der romantischen Alpenbegeisterung, die den Körper in der Höhe zum Gegenstand von physiologischen Experimenten machten. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der Turiner Experimentalphysiologe Angelo Mosso (1846-1910), der weniger durch seine Konzepte und Theorien als durch seine innovative Forschungspraxis und auch durch seine Persönlichkeit bekannt wurde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.11.2007

Gut gefallen hat Rezensent Florian Welle diese Studie von Philipp Felsch, die sich einem "spannenden Kapitel der Wissenschaftsgeschichte" widmet: den Forschungen des Turiner Berg-Physiologen Angelo Mosso (1846-1910), der sich um 1900 mit wissenschaftlichen Messgeräten in die Alpen aufmachte, um die Ursachen der Bergkrankheit (Symptome: Übelkeit, Kopfschmerz, Erschöpfung) zu erkunden. Welle lobt besonders den Stil des Autors und die Prägnanz seiner Argumentation. Angetan zeigt er sich auch von den zahlreichen Abbildungen, die Mossos Untersuchungen und Experimente, die letztlich nicht zu einer korrekten Erklärung der Bergkrankheit führten, anschaulich werden lassen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2007

Philipp Felsch stammt aus der wissenschaftshistorischen Schule Hans-Jörg Rheinbergers, der es um die Beobachtung von Experimentalsystemen unterschiedlicher Art geht. Aus dieser Perspektive kann etwa, wie in dieser Studie, auch die Geschichte der Alpenreise zum Gegenstand wissenschaftshistorischer Untersuchungen werden. Im Mittelpunkt des Buches steht dabei der Physiologe Angelo Mosso, der mit seiner Erklärung der in den Alpen sich einstellenden Erschöpfung - er sah den Grund in einem Kohlensäuremangel - auf dem Holzweg war. Für die Diagnose des "maßlosen Messwahns", der das 19. Jahrhundert auszeichnete, ist Mosso aber sehr ergiebig - wie der Rezensent Uwe Justus Wenzel nach der Lektüre feststellt. Er hält das Buch insgesamt für anregend und lehrreich, bedauert nur, dass der Autor am Ende ein paar lose Fäden lässt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2007

Viel zu lernen aus diesem Buch, findet Jürgen Kaube. Seiner anfänglichen "Nörgelei" über die Tendenz von Wissenschaftsgeschichte, sich vornehmlich fehlgeschlagener Forschung zu widmen, folgt die ultimative Lobhudelei. Die "vielen guten Beobachtungen" Philipp Felschs an der Experimentalkultur um 1900, insbesondere zu dem italienischen Physiologen Angelo Mosso und dessen "Alpenexperimenten", lassen Kaube tolle Pointen schauen und Parallelen zur Fetischisierung heutiger Bildgebungsverfahren ziehen. Einen Gewinn hat der Rezensent auch daran, die im Text jeweils vorgeführte Unkenntnis des Menschen andauernd an sich selbst zu entdecken. Viel zu lernen, wie gesagt.
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