Philipp Schönthaler

Mysteria Hysteria

Cover: Mysteria Hysteria
Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN 9783751870313
Broschiert, 44 Seiten, 8,00 EUR

Klappentext

Wie hoch sind die Chancen, die Individualität einer Person anhand ihrer Syntax zu identifizieren? Wie hoch diejenigen, die Person selbst aus dem Text herauszulesen? Als der namenlose Protagonist in Philipp Schönthalers Novelle zufällig ein unverlangt eingesandtes Manuskript zu prüfen beginnt, nachdem er es wie üblich der KI vorgelegt hat, beschleicht ihn ein seltsamer Verdacht: Könnte hinter dem Autorinnenpseudonym seine Jugendliebe Elektra stecken? Jene Elektra, die schon zu Schulzeiten das Schreiben als Kunstform praktizierte und ihn überhaupt erst für Literatur begeisterte? Gepackt von einer plötzlichen Unruhe, macht er sich auf, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen, und stößt gleich seinen elektronischen Assistenzsystemen doch nur an die eigenen Grenzen. Denn dort, wo Wunsch und Wirklichkeit, Begehren und Ziel, wo Syntax und Semantik zur Deckung kämen, wo der Bewertung durch standartisierte Computerprogramme unumwunden Glauben geschenkt würde, läge womöglich nur mehr noch Stagnation, Kontrolle, Tod. Mysteria Hysteria erzählt von der bequemen Welt der Hilfssysteme und der produktiven Sehnsucht nach einem Leben, in dem "das wilde Tier, die Matrix - kurz: Hysterie" - noch Rätsel birgt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.06.2026

Gern liest Rezensent Tobias Lehmkuhl diese kurze Satire, in der sich Philipp Schönthaler dem Thema KI in der Literatur nähert. Genauer gesagt KI im Verlagswesen, denn in der Welt, die die Geschichte beschreibt, werden Manuskripte automatisiert gelesen und ebenso automatisiert abgelehnt. Eines mit dem Titel "Mysteria Hysteria" fällt dann allerdings dem Erzähler in die Hände, der zu wissen glaubt, dass es von seiner Jugendliebe verfasst wurde. Die er nun, ebenfalls KI-unterstützt, sucht. Eher nebenbei geht es um die Kulturgeschichte der Hysterie selbst, einer Krankheit, über die um 1900 viel geschrieben wurde, die heutzutage aber verschwunden ist - oder vielleicht, suggeriert Schönthaler, in digitale Sphären migriert. All das ergibt, so Lehmkuhl, einen erquicklichen Lese-Snack.

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