Übersetzt von Uvo Hölscher. Herausgegeben von Thomas Poiss. Mit einem Geleitwort von Michael Theunissen. "O meine Seele trachte nicht nach unsterblichem Leben: schöpfe das Mögliche aus!" Dieses Buch enthält eine kleine Kostbarkeit für die Freunde antiker Poesie: Im Nachlass von Uvo Hölscher, einem der besten Kenner frühgriechischer Dichtung und Philosophie, fanden sich wenig bekannte Übersetzungen von elf Siegesliedern Pindars (518 - 446 v.Chr.), die hier erstmals zusammengestellt und knapp erläutert werden. Die Erläuterungen des Herausgebers Thomas Poiss erleichtern das Verständnis eines der bedeutendsten griechischen Dichter und eröffnen den Zugang zu Hölschers Übersetzungen und ihren Besonderheiten. Michael Theunissen hat ein Nachwort geschrieben, das den philosophischen Gehalt der Verse zu erschließen hilft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.12.2002
Die Bedeutung des griechischen Dichters Pindar, der im 5. Jahrhundert vor Christus gelebt hat und dessen Siegeslieder im 18. Jahrhundert Hölderlin, Klopstock und viele andere Dichter und Denker beeinflusst haben, sollte man in jedem Fall sehr hoch ansetzen, findet Heinz Schlaffer und plädiert für eine Übersetzung und Verbreitung von Pindars Werk. Aber nicht in der Form, wie sie der 1996 verstorbene Tübinger Gräzist Uvo Hölscher gewählt habe, meint der Rezensent. Denn Hölscher sei anscheinend darauf aus gewesen, Pindar dem Leser in seiner ganzen Kompliziertheit vorsetzen zu wollen, wozu er eine ganze Reihe längst nicht mehr gebräuchlicher Worte oder Satzkonstrukte verwende oder gar selbst welche neu konstruiere, ärgert sich Schlaffer, der sich fragt, wen das begeistern könne. Pindar zu übersetzen sei keine leichte Aufgabe, gesteht der Rezensent zu, aber den Dichter so zu "verfremden", könne eigentlich nur den Übersetzer erfreuen, schimpft Schlaffer.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.11.2002
Der Rezensent mit dem Kürzel "hak" lobt diesen von dem Gräzisten und Komparatisten Thomas Poiss herausgegebenen Band mit 11 Siegesliedern des "archaischen Chorlyrikers" Pindar in den höchsten Tönen. Einmal dokumentierten die Texte des im Jahr 520 v. Chr. bei Theben geborenen Dichters auch das Bröckeln der aristokratischen Oberschicht, zum anderen habe Poiss "mit glücklicher Hand" die Übersetzungen dieser Texte durch den 1996 verstorbenen Münchner Altphilologen Uvo Hölscher aus dessen Nachlass zutage gefördert, und zum dritten, schwärmt "hak", sind diese "sperrigen" Verse ein Muss für jeden Literaturwissenschaftler. Denn die Verse von Pindar hatten, weiß der Rezensent, sowohl den jungen Goethe als auch Hölderlin dazu veranlasst, "Odendichtungen" zu schreiben.
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