Weil er seinen Schreiber Hemmeler erstochen hat, wird der Anwalt Franz Desgouttes am 30. September 1817 stranguliert und aufs Rad geflochten. Vor seiner Hinrichtung hält der Verurteilte vor der versammelten Volksmenge noch eine feurige Rede. Ein Raubmörder? Ein geistig Gestörter? Einige Intellektuelle wissen es besser: Desgouttes war ein "Mannliebender", seine Tat ein Mord aus verschmähter Liebe und Leidenschaft. Diese Hinrichtung war für den Autodidakten Heinrich Hössli (1784-1864) der Anlass, eine der weltweit ersten großen Monografien über die Homosexualität zu schreiben: "Eros oder die Männerliebe der Griechen". Wenige Werke der deutschsprachigen philosophischen Literatur sind so radikal unterdrückt und totgeschwiegen worden wie dieses Buch.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.11.2001
Überaus positiv aber auch kritisch setzt sich Ursula Pia Jauch mit diesem Werk Pirmin Meiers auseinander. Die beiden Biografien seien so unterschiedlich wie die beiden Menschen, deren Lebensgeschichten sie erzählen. Was die Biografie des Juristen und Lebemannes Desgouttes angeht, ist die Rezensentin voll des Lobes. Meier finde das Gleichgewicht zwischen Rückgriffen auf Akten der damaligen Zeit und literarischen Ergänzungen, wobei Jauch "psychologischen und historischen Spürsinn", "Sprachkraft und literarisches Geschick" des Autors lobt. Zur Biografie des Autodidakten Hössli findet die Rezensentin weniger lobende Worte. Da es um das Werk eines einsamen Denkers gehe, versteige sich der Autor in teilweise nicht schlüssige Beschreibungen der "Innenwelt" Hösslis, die sich "gegen die Beschreibbarkeit wehre". Alles in allem aber ist die Rezensentin der Meinung, dass dies ein gutes und wichtiges Buch sei.
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