Herausgegebene von Caroline Arni, Delphine Gardey, Sandro Guzzi-Heeb. Überall ist Protest. Scheinbar gelöste Konflikte überrumpeln die Gesellschaften der Gegenwart mit neuer Heftigkeit. Frauenstreiks und Klimastreiks mobilisieren Hunderttausende, Black Lives Matter und postmigrantische Kritik konfrontieren ehemalige Sklaverei- und gegenwärtige Einwanderungsgesellschaften mit der ungebrochenen Macht rassistischer Klassifizierungen, Austeritätspolitiken treffen auf die Alternative des Widerstands. Daneben mutiert im Begriff der "Protestwahl" das institutionelle Getriebe der Demokratie selbst zur Revolte und die Schablone des "Populismus" scheint sich wie von selbst anzubieten, um Verschiebungen der politischen Kräfteverhältnisse nach links wie nach rechts zu beschreiben. In diesem Kontext werden alle Kommentare zu vergangenen Protesten selbst politisch: Sie setzen sich dem Verdacht der Heroisierung oder aber des postumen Urteils aus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2021
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Schweiz ein Land der Protestler und Rebellen ist. Das dem so ist, erfährt Rezensent Urs Hafner aus dem von Caroline Arni, Delphine Gardey und Sandro Guzzi-Heeb herausgegebenen Schweizerischen Jahrbuch für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Die Beiträger ermöglichen Hafner unter anderem den Vergleich zwischen Protesten auf dem Berner Bundesplatz gestern und heute. Hafner stellt fest: Früher war mehr Spektakel. Vor allem ausgehend von renitenten Bauern, etwa in den Bauernkriegen von 1525 und 1653 (wie Hafner ein Beitrag des Historikers Andreas Würgler zeigt). Dass die Proteste nicht immer im Sinne der Guten waren, erfährt Hafner auch.
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