Rabih Alameddine

Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)

Roman
Cover: Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN 9783406843358
Gebunden, 351 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. Rabih Alameddine tanzt in seinem Roman durch sechs Jahrzehnte libanesischer Geschichte und durch ein Leben voller Absurditäten. Seine tragikomische Liebessgeschichte erzählt von Familie, Erinnerung und dem unzerstörbaren Band zwischen einem Sohn und seiner Mutter. In einer winzigen Wohnung in Beirut leben der 63-jährige Radscha und seine über 80-jährige Mutter Seite an Seite. Radscha, beliebter Philosophielehrer an einer höheren Schule und "der Schwule von nebenan", liebt Bücher, Spaziergänge, Ordnung und Einsamkeit. Zalfa empfindet das Bedürfnis ihres Sohnes nach Privatsphäre als persönliche Beleidigung. Sie will alles wissen: über seinen Alltag, sein Leben, seine Lieben. Als Radscha ein Stipendium in den USA angeboten wird, ist das die ersehnte Gelegenheit zur Flucht - vor der Mutter, dem politischen Chaos im Libanon und vor der eigenen Vergangenheit. Doch was als Neuanfang gedacht war, wird zur Rückschau auf persönliche und politische Katastrophen und bringt Radscha dazu, einen Verrat, den er eigentlich vergessen wollte, noch einmal zu durchleben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 09.06.2026

Ein meisterliches Buch liest Rezensent Wolfgang Schneider. Rabih Alameddine erzählt davon von seiner Heimatstadt Beirut, der er, heute in San Francisco lebend, in sehnsuchtsvoller Liebe verbunden bleibt. Und die immer wieder von Katastrophen wie etwa der gewaltigen Hafenexplosion im Jahr 2020 erschüttert wird. Diese Katastrophen strukturieren auch den Roman, der sich um Radscha dreht, einen alternden Philosophielehrer, der gemeinsam mit seiner energischen Mutter und einer mysteriösen Tante in Beirut lebt. Am stärksten findet Schneider eine längere Passage, die in die siebziger Jahre zurückblendet, in die Zeit des libanesischen Bürgerkriegs: Der junge Radscha wird überfallen, entführt und in einer Wohnung festgehalten, von Budi, einem älteren Mann. Dieser drängt Radja zu sexuellen Handlungen, "Angst und Lust verquicken sich", lesen wir, so entdeckt der Teenager seine Homosexualität, wird aber gleichzeitig missbraucht - diese ambivalente Episode ist für den Kritiker "große Literatur". Alameddine verarbeitet offensichtlich viel Selbsterlebtes in dem aus Ich-Perspektive erzählten Buch, lesen wir, arbeitet aber gleichzeitig mit romanhaften Verfremdungen. Auch dieses Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit ist dem Autor kunstvoll gelungen, versichert der Kritiker abschließend. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026

Rezensentin Lena Bopp empfiehlt Rabih Alameddines Roman, den zweiten erst, der auf Deutsch erscheint, eine irrwitzige Coming-of-Age-Story um einen Philosophie lehrenden Libanesen, der bei seiner übergriffigen Mutter wohnt und dessen homosexuelle Erweckung einst ausgerechnet in Geiselhaft stattfand. Hintergrund bildet das gebeutelte Beirut zwischen Bankenkollaps, Covid und Hafenexplosion, erklärt Bopp. Dass eine derartige Mischung eigentlich nur mit Humor zu ertragen ist, weiß auch der Autor, der laut Bopp nicht mit Sarkasmus spart und seine Figuren tüchtig überzeichnet. Die Dialoge sind pointiert, die Geschichte ist traurig und komisch zugleich, findet Bopp.

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