Die Probe
Roman

Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN
9783446283015
Gebunden, 176 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Zwei Menschen treffen sich zum Mittagessen in einem Restaurant in Manhattan. Sie ist eine gefeierte Schauspielerin, die für eine bevorstehende Premiere probt. Er ist attraktiv und beunruhigend jung. Was die Schauspielerin anfangs für den Annäherungsversuch eines Fans hält, nimmt bald eine erstaunliche Wendung: Xavier behauptet nämlich, er sei ihr Sohn - dabei hat sie nie Kinder bekommen. Als im selben Moment auch noch ihr Mann Tomas, ein erfolgloser Schriftsteller, im Restaurant auftaucht, wird ihr klar, dass Xavier ihr Leben aus den Angeln heben kann. Katie Kitamuras Roman stellt die Frage, wer wir füreinander sind. Ein Vexierspiel über den schmalen Grat zwischen Dichtung und Wahrheit.
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Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 20.11.2025
Rezensent Georg Diez lobt Katie Kitamura für das zum Nachdenken anregende Verwirrspiel, zu dem sie uns in ihrem neuen Roman einlädt: Eine alternde Schauspielerin trifft einen jungen Mann zum Essen, es ist nicht ganz klar, ob er ein Verehrer ist oder, wie er plötzlich behauptet, ihr Sohn. Der zweite Teil des Buches setzt damit ein, dass sie ihn plötzlich tatsächlich als Sohn annimmt, mit einer "gewissen Kühle" seziert Kitamura klug die Ehe der Protagonistin und stellt die Frage, ob sich die Zeit eigentlich nur in eine Richtung ausbreiten kann oder doch veränderlich ist, erfahren wir. Für Diez ist gerade dieser verwirrende Effekt die große Kunst der Autorin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.10.2025
Rezensentin Judith von Sternburg liest Katie Kitamuras neuen Roman als "Vexierspiel", das sich bei jeder Wendung neu zusammensetzt. Im Zentrum steht eine namenlose Schauspielerin, die plötzlich mit einem jungen Mann konfrontiert wird, der überzeugt ist: "Du bist meine Mutter." Was wie eine absurde Verwechslung beginnt, verschiebt die Gewissheiten Schritt für Schritt, bis aus Unsicherheit fast Selbstverständlichkeit wird, erfahren wir. Die Kritikerin lobt Kitamuras Gespür für Theatermilieu und die "fesselnde, interessante Figur" der Erzählerin, die ihre Rollen wie ihr Leben auf die Probe stellt. Manche Passagen erinnern an Yasmina Rezas Eskalationsdramen, auch wenn es hier "nicht turbulent" wird, merkt die Kritikerin an. Der Roman lebt von Spiegelungen der Hauptfigur, überraschenden Nebenhandlungen und einem Ende, das im "lauernden Dunkel" doch Trost in der Sprache findet, schließt Sternburg.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 01.08.2025
Immer wieder hat sich die US-amerikanische Autorin Katie Kitamura in ihrem Werk mit sozialen Rollen und deren Performance befasst, erklärt Rezensentin Sigrid Löffler. Auch in "Die Probe" untersucht sie dieses Thema, in einer Art literarischem Rollenspiel. In diesem Roman gibt es kein klares Jenseits der Bühne, jedes Verhältnis ist ein Rollenverhältnis, jedes Selbstbild ein Rollenbild und jeder soziale Raum eine Bühne. Das Ensemble besteht aus einer namenlosen Schauspielerin, ihrem Ehemann - Schriftsteller, und einem jungen Mann namens Xavier. In einer Hälfte des Romans vermutet der Ehemann ein Verhältnis zwischen seiner Frau und Xavier, in der anderen Hälfte ist der junge Mann ihr gemeinsamer Sohn, der zu ihnen in die Wohnung zieht. In beiden Teilen werden die Verhältnisse der Figuren bzw. ihrer Rollen zueinander erst durcheinander gebracht und dann neu verhandelt. Löffler beschreibt diese Konstruktion als "kühle und ein wenig schematische Versuchsanordnung", die verschiedene Interpretationen zulässt. Doch wie auch immer man diesen Roman liest, eines steht fest: Niemand in der Gegenwartsliteratur befasst sich auf so radikale Weise mit Fragen der Performance wie Katie Kitamura.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.07.2025
Dass Katie Kitamura ihre Figuren gern mit Lebensveränderndem konfrontiert, kennt Rezensentin Frauke Fentloh schon: In ihrem neuen Roman ist es eine New Yorker Schauspielerin, der ein junger Kollege offenbart, er sei ihr Sohn, auch wenn das eigentlich gar nicht sein kann. Fentloh bewundert, wie kunstvoll und cool Kitamura die Frage stellt, ob wir unserer Wahrnehmung trauen können, insbesondere im zweiten Teil des Buches, in dem der vermeintliche Sohn zum angenommenen Sohn wird. Dieser "Thriller des Zwischenmenschlichen" zeigt, was sich unter der Oberfläche von Beziehungen abspielt, und eröffnet der beglückten Kritikerin völlig neue Perspektiven auf subjektive Wahrnehmungen und das, was wir uns als Realität zurechtdenken.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 25.07.2025
Rezensent Michael Eggers freut sich über ein gelungen "flirrendes Verwirrspiel", das die amerikanische Autorin Katie Kitamura vorgelegt hat: Im Zentrum steht eine Schauspielerin, der ein um eine Generation jüngerer Kollege gerade offenbart hat, er sei ihr Sohn, was allerdings gar nicht stimmen kann. Das löst in ihr aber eine nachhaltige Verwirrung rund um die Frage aus, woher wir wissen, was wahr ist und wie wir unser Gegenüber interpretieren, erfahren wir - schließlich zieht der Sohn oder Nicht-Sohn bei der Schauspielerin und ihrem Ehemann ein und bringt noch mehr Irritation in den Text. Eggers fühlt sich durch diese psychologisch unheimliche Erzählung an Kafka erinnert, wie er resümiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.07.2025
Katie Kitamuras Protagonistin ist Schauspielerin, ihr Mann Schriftsteller, die beiden genießen ihren "Künstler-Lebensstil", schildert Rezensent Hubert Winkels den Ausgangspunkt ihres neuen Romans, der allerdings schon im zweiten Satz wieder eingerissen wird. Sie entdeckt bei einem Abendessen im Restaurant den jungen Mann, der bei einer Theaterprobe behauptet hat, ihr Sohn zu sein, und plötzlich beginnt Winkels, alles zu hinterfragen, denn der Roman bietet auf nichts eine klare Antwort. Ihn reizt das Spiel mit verschiedenen Wirklichkeiten und Wahrnehmungen, die Hingabe der Protagonistin an die Fiktion ihrer eigenen Mutterschaft und die kunstvollen Ebenen, die Kitamura damit einzieht. Etwas schematisch erscheint dem Kritiker der Roman an einigen Stellen durchaus, dennoch ist er von der Kunstfertigkeit und der Botschaft der unverfügbaren Wahrheit überzeugt.