Montserrat Roig

Die Frauen vom Café Núria

Die Barcelona-Trilogie
Cover: Die Frauen vom Café Núria
Antje Kunstmann Verlag, München 2024
ISBN 9783956145827
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Katalanischen von Ursula Bachhausen und Kirsten Brandt. Mundeta ist eine Dame der höheren Gesellschaft von Barcelona im Fin de Siècle; ihre Tage bestehen aus Spaziergängen, Opernbesuchen, Diners und der Lektüre von Heiligenbiografien - nur ihrem Tagebuch vertraut sie ihre Träume von Freiheit, fernen Ländern und einer Liebe auf Augenhöhe an. Nach dem Tod ihres Mannes trifft sie zusammen mit ihrer Tochter jede Woche ihre Freundinnen Kati, Sixta und Patrícia im Café Nuria. Es sind die Dreißigerjahre und Spanien ist im Bürgerkrieg. Die Bewunderung ihrer erwachsenen Tochter gilt vor allem Kati, der Anarchistin und Anhängerin der Republik. Doch sie selbst ist in einer Vernunftehe gefangen, aus der es keinen Ausweg gibt. Zwanzig Jahre später schließt sich deren Tochter einer Gruppe von Studierenden an, die im Widerstand gegen das Franco-Regime aktiv sind und auch gegen verkrustete gesellschaftliche Konventionen kämpfen. Sie verliebt sich in Jordi und muss feststellen, dass die Freiheiten, die die Männer für sich in Anspruch nehmen, für Frauen noch lange nicht gelten. Anders als ihre Mutter und Großmutter will sie sich damit nicht abfinden - und trifft eine Entscheidung, die ihr Leben und das ihrer Familie für immer verändern wird.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.04.2024

Ganz begeistert zeigt sich Rezensentin Katharina Döbler von Montserrat Roigs 1972 erschienem Roman, der von drei Frauengenerationen handelt, die den gleichen Vornamen, Ramona, tragen: Die Großmutter lebt seit 1894 in einer leidenschaftslosen Ehe, die Mutter irrt 1937 schwanger durch das zerbombte Barcelona und ihre Tochter rebelliert an einer franquistischen Universität, zelebriert und leidet an der freien Liebe, erzählt Döbler nach. Alle drei erleben Schlüsselereignisse der katalanischen Autonomie mit, wobei für deutsche Leser, so Döbler, eine Zeittafel hilfreich wäre. Roig schaffe es, die Regungen ihrer Figuren spürbar zu machen, ihre "kluge Konstruktion" aus historischem Hintergrund, der die Generationen verbindet, und privater Erfahrung - Roigs Lebenslauf ähnelt sehr der dritten Ramona - imponiert der Kritikerin. Die 1991 verstorbene Autorin beweist, lobt die Kritikerin weiter, sich als "Meisterin der Untertöne" und schafft eine überzeugende Atmosphäre. Das Buch ist, so Döbler, der Auftakt zu einer Roig-Trilogie und sie kann es kaum abwarten, alle Teile zu lesen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.03.2024

Endlich kann dieser im Original schon 1972 erschienene Roman von Monserrat Roig auch in Deutschland die Aufmerksamkeit bekommen, die er verdient, freut sich Rezensent Eberhard Falcke. Das Buch handelt von drei Frauen, drei Generationen einer Familie, alle heißen sie Mundeta, sie treffen sich gerne im titelgebenden Café Núria in Barcelona, erfahren wir. Das Leben der ersten Mundeta ist geprägt vom Ersten Weltkrieg, das der zweiten vom Spanischen Bürgerkrieg, die letzte im Bunde schlägt sich mit den Männern herum, die die 68er Bewegung dominieren und dafür von den Frauen angehimmelt werden wollen, so Falcke, der die rasant zwischen den Protagonistinnen wechselnde Geschichte als einen "großen Wurf der feministischen Literatur" bewundert und nun hofft, dass das Buch es auch hier in den Kanon schafft.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.02.2024

Drei Frauengenerationen der Familie Mundeta lernt Rezensent Thomas Hummitzsch in diesem Trilogie-Auftakt kennen, den Montserrag Roig bereits vor über fünfzig Jahren geschrieben hat. Auch als "Hohelied auf die katalanische Selbstbehauptung" liest er den Roman, die Bürgerkriegsschilderungen in Barcelona lassen ihn an expressionistische Gemälde denken. Wichtiger ist Hummitzsch zufolge aber, dass anhand der Frauen feministische Ideen und die Erwartungen, die an Frauen herangetragen werden, ausbuchstabiert werden. Er hatte zwar leichte Schwierigkeiten, die drei Protagonistinnen auseinanderzuhalten, da sie so ähnlich erzählen, aber das Buch hat ihn nichtsdestotrotz überzeugt.

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