Ragnar Helgi Ólafsson

Die Bibliothek meines Vaters

Requiem
Cover: Die Bibliothek meines Vaters
Mikrotext Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783948631642
Gebunden, 208 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Isländischen von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer. Der Autor, Ragnar Helgi Ólafsson, muss die Bibliothek seines Vaters, einst Verleger und selbst Autor, ausräumen und nimmt sich dafür ein Wochenende vor. Sehr schnell wird klar, dass diese Zeitplanung eine Schnapsidee ist. Also entscheidet er sich dafür, zufällig Bücher aufzuschlagen. Er gleitet so in Gedanken und Zitaten nicht nur von Titel zu Titel, sondern jede aufgeklappte Seite bringt ihn zu anderen Fragestellungen: Hat jedes Buch einen eigenen, einzigartigen Geruch? Können wir jemals über den Verlust der verbrannten Bibliothek in Alexandria hinwegkommen? Was haben seltsame regionale Geschichten über Geister, Feen und arme Bauern in Island im 19. Jahrhundert mit dem 21. zu tun? Wann genau wird die Sonne voraussichtlich ausbrennen? Und wie können diese Fragen dazu beitragen, unserem Leben und unserer Existenz heute einen Sinn zu geben?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2026

Rezensent Peter Urban-Halle stellt fest, dass die Texte aus der Bibliothek seines Vaters, die der Verleger Ragnar Helgi Olafsson in diesem Buch versammelt, eher unter "Vermischtes" zu fassen sind. Urban-Halle erscheinen sie nicht besonders wertvoll, sondern eher als trockene Ware, "Tatsachenberichte", darin laut Rezensent den isländischen Sagas nicht unähnlich. Den Mix aus Erzählungen, Zitaten und Gedanken findet er dennoch schön und irgendwie auch sinnvoll. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.11.2025

Der isländische Autor, Dichter, Grafiker und Vogelretter Ragnar Helgi Ólafsson prophezeit, dass es "das Buch" bald so nicht mehr geben werde - und lässt in seinem neuen Roman zugleich eines entstehen. Rezensent Peter Urban-Halle schildert, wie Ólafsson die Bibliothek seines vor acht Jahren verstorbenen Vaters auflösen soll: rund 4000 Bände und zahllose Kisten mit "volkstümlichen Begebenheiten". Beim Sortieren beginnt er zu lesen: Eine Mischung aus Erzählung, Zitaten aus den Schriften des Vaters, Reflexionen über den Wert von Büchern und Bibliotheken, Überlegungen zur isländischen Schreibwut ("jeder Isländer ist ein Autor") sowie Gedanken zu Erinnerung und Vergessen, ein Thema, das Ólafsson bereits 2020 behandelt hat. Nach etwas wirklich "Besonderem" sucht man in diesen Texten vergeblich, so der Kritiker, das ist aber nicht negativ gemeint: Künstlerisch sind sie unscheinbar; schlichte, ironiefreie Tatsachenberichte - ähnlich den Sagas. Doch gerade diese Nüchternheit macht sie zum Gedächtnis des Volkes: Sie sollen dem Vergessen entgegenwirken und Wissen bewahren.

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