Rainer Hermann schildert und analysiert die bedrohliche aktuelle Lage der Staaten im Nahen Osten und Afrika und zeigt die Auswirkungen einer drohenden Implosion der arabischen Welt für Deutschland und Europa: die große Herausforderung der Zukunft. Lange gingen uns die Kriege vor unserer Haustür nichts an. Denn die Regime des Nahen Ostens waren stabil, und ihre Konflikte trugen sie untereinander aus. Mit der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 hatten die Kriege nun unsere Türschwelle erreicht. Mehrere Staaten sind bereits gescheitert, andere stehen unmittelbar davor. Für eine grundlegende Reform fehlt den Eliten aber die Einsicht. Wir alle müssen - so der eindringliche Appell - uns endlich auf diesen Prozess einstellen. Denn ein Scheitern bedeutet auch, dass Menschen keine Zukunftsperspektive mehr haben und wieder vermehrt nach Europa flüchten. Daher müssen auch Deutschland und die EU abwägen, ob sie mit dem Argument einer Scheinstabilität weiterhin die Diktatoren und autokratischen Systeme unterstützen oder ob sie auf der Seite der Würde des Menschen stehen und einen Wandel befürworten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.11.2021
Für Wolfgang Freund ist Rainer Hermanns Abrechnung mit der Klientel- und Machtpolitik in Ägypten, Libyen, Sudan, Jemen, Saudi-Arabien et cetera Pflichtlektüre für Nahost-Interessierte, auch wenn das, was man den "Nahost-Konflikt" nannte, laut Freund eigentlich gar keine Rolle mehr spielt in den Konflikt-Szenarien von Marokko bis Irak, die der Autor analysiert. Das Buch überzeugt ihn mit "innerer Logik" und einem erfrischend direkten Ton. Letzterer überrascht Freund angenehm, ist Hermann doch politischer Redakteur der FAZ!
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