Mit Anmerkungen versehen. Aus dem indischen Englisch von Ulrich Blumenbach. Kanthapura - ein Dorf in Südindien: Moorthy, in Bombay zum Anhänger Gandhis geworden, kehrt aufs Land zurück, um hier die Ideen von Gleichheit und gewaltlosem Widerstand zu verbreiten. Als Erste schließen sich ihm die Frauen und Unberührbaren an. Wie in ganz Indien beginnen die Kolonialherren und ihre brahmanischen Handlanger, die Bewegung mit massiven Einschüchterungsversuchen zu bekämpfen...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2004
Martin Kämpchen hat eine Neuentdeckung zu vermelden. Und zwar handelt es sich um das Romandebüt des indischen Autors Raja Rao, "Kanthapura", 1938 geschrieben, erst jetzt vom neu gegründeten Züricher Dörlemann Verlag dem deutschen Publikum zugänglich gemacht. Das Buch ahme "bewusst die orale Erzählweise indischer Mythen, der Puranas", nach, schreibt der Rezensent. Hintergrund des Geschehens sei der indische Kampf um politische Unabhängigkeit, eine "gemeinsame Bewegung gegen Missstände in der Gesellschaft". Eine Ghandi-artige Gestalt stehe dabei im Mittelpunkt. Die "kraftvollen Wortkaskaden" einer "alten, analphabetischen Frau" erzählten, so der Rezensent spürbar enthusiastisch, von "getrennt wohnenden Kasten und Klassen, vom Lebensgefühl in den Familien und dem komplexen Sozialgefüge". Fakt und Gerücht gingen dabei wild durcheinander. Es gebe nur wenige durchgängige Handlungsfäden - "Spannung erhält der Roman durch die evokative Kraft der Schilderung, die derb, scharf und direkt ist". Das erzählerische Verfahren evoziere eine beinahe "schmerzlich-hymnische Lebensintensität". Dem Leser wirbelten bald all "die Namen im Kopf durcheinander", und so entstehe "der Eindruck einer symphonischen Menschen- und Stimmenvielfalt". Raos "Sozialgemälde" mache das "revolutionär Neue der Ideen und Aktionen Gandhis in einem kastengläubigen, konservativen Indien" deutlich.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2003
"Kanthapura" ist ein 1938 erstmals erschienener Klassiker des indischen Romans in englischer Sprache - umso erstaunlicher findet es die Rezensentin Claudia Wenner, dass er nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt. Der Roman erzählt die Geschichte eines die Nation widerspiegelnden Dorfes, das sich Mahatma Gandhis Widerstand anschließt, insbesondere in Gestalt des jungen und idealistischen Brahmanen Moorty. Als größtes Akzeptanzproblem erweise sich dabei Gandhis Ablehnung des Kastenwesens. Formal lehne sich das Werk an die epische Legendendichtung der "Sthalapurana" an; in die Erzählung einer als Erzählerin kaum hervortretenden alten Frau mischen sich, so die Rezensentin, "Zeitgeschichte, Folk-Tale und Tratsch". Dieses Buch, betont Wenner, ist nicht nur als Klassiker der indischen Literatur von Interesse, sondern als Erinnerung an einen heute verloren gegangenen Idealismus und als Mahnung in Zeiten, in denen ein Rechtsradikaler und Freund des Gandhi-Mörders wie Savarkar offiziell in die "Galerie der Nationalhelden" im indischen Parlament aufgenommen wurde.
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