Ralf Müller-Terpitz untersucht den rechtswissenschaftlichen Status des pränatalen Lebens im nationalen wie internationalen Recht. Er bezieht dabei die Statusdebatten anderer Fachdisziplinen (Naturwissenschaft, Ethik, Theologie) in seine Betrachtung mit ein und untersucht deren Relevanz für den rechtswissenschaftlichen Diskurs. Für das nationale Verfassungsrecht kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass der Embryo schon ab der Fertilisation oder einem vergleichbar frühen Entstehenszeitpunkt (Zellkerntransfer) grundrechtlichen Würde- und Lebensschutz genießt, der auch nicht unter Berufung auf sein noch frühes biologisches Entwicklungsstadium "prozesshaft abgestuft" werden darf. Im Völker- und Gemeinschaftsrecht wird das pränatale Leben zwar als schützenswertes Rechtsgut anerkannt; diese Rechtsordnungen gewähren ihm aber nur einen auf bestimmte Verwendungsverbote reduzierten "angemessenen" (relativen) Überlebensschutz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2008
Mut und "verfassungshermeneutischen Ehrgeiz" attestiert Michael Pawlik dem Autor. Dessen Habilitationsschrift zum "Schutz des pränatalen Lebens" sieht Pawlik als voluminöses Plädoyer für einen umfassenden Lebens- und Würdeschutz und gegen Macht und Willkür auf diesem Gebiet. Dass Ralf Müller-Terpitz dabei polemischerweise die Nazi-Karte ausspielt und die "Interessentheoretiker" implizit in die Tradition nationalsozialistischer Ausgrenzungspolitik stellt, kann der Rezensent allerdings ebenso wenig nachvollziehen wie des Autors Haltung zur Abtreibung. Hier "singuläre Konfliktsituationen" einzuräumen, im Fall der in-vitro-Befruchtung aber auf die Implantation des Embryos zu pochen, derartiges Argumentieren kommt Pawlik zweischneidig vor. Eine konsequente Verteidigung der Eigengesetzlichkeit des Verfassungsrechts sähe anders aus, findet er.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…