81 Orte, 84 Opern: In Deutschland spielt die Musik in der Provinz. Eine Bildungsreise der besonderen Art: Staunen, wenn ein Provinznest den ganzen »Ring« auf die Beine stellt, aber manchmal lässt Schilda grüßen im Umgang mit den kulturellen Ressourcen. Was 1998 als Ferienvergnügen begann, wurde zu einem ungewöhnlichen Panorama unseres Landes, seiner Bewohner und seiner wechselvollen Geschichte. Rund achtzig feste Opernensembles gibt es hierzulande, beinahe so viele wie im gesamten Rest der Welt. Nicht nur in München und Dresden, sondern auch in Detmold und Cottbus. Ralph Bollmann hat sie alle besucht. Als er in Meiningen die "Tosca" sah, wurde das Land noch von Helmut Kohl regiert. Als er in Plauen "Lohengrin" besuchte, rief Gerhard Schröder die Hartz-Reformen aus. Und als er 2010 nach Ulm zur "Salome" fuhr, stand der Euro vor dem Absturz. Eine Entdeckungsreise durch Geschichte und Gegenwart: Die deutsche Kleinstaaterei mit all ihren Skurrilitäten und der Föderalismus sind der Boden, auf dem dieser kulturelle Reichtum der Provinz gewachsen ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.07.2011
In jeder Zeile der Rezension Johan Schloemanns wird spürbar, welch außerordentliche Sympathie er für dieses ungewöhnliche Buch empfindet. Ralph Bollmann unternimmt darin eine Ethnografie der kulturellen Provinz. Im Lauf von zwölf Jahren ist er an sämtliche Opernstandorte in deutschen Städten gereist: Das sind nicht weniger als 81 - und damit soviele, ruft der verblüffte Rezensent aus, wie im Rest der ganzen Welt. Der Band ist weniger ein Buch über einzelne Inszenierungen, Regisseure oder auch die Musik - wiewohl der Hinweis auf hohe Qualität vieler Inszenierungen an vom Feuilleton je kaum aufgesuchten Orten auch wichtig ist. Eigentlich aber geht es um Deutschland, ein an Kultur noch immer immens reiches Land, dessen weltläufige Intellektuelle über die Provinz gerne lächeln. Bollmann macht das zur Freude von Schloemann nicht mit. Er ist neugierig, aufmerksam und bringt von seinen Reisen so hoch interessante Impressionen mit, dass sie für den Rezensenten nur eine Erfahrung bestätigen: "Wahrhaft provinziell ? ist: die Nichtwahrnehmung der Provinz."
Mit viel Begeisterung und ein wenig "Eifersucht" hat Rezensentin Katrin Bettina Müller die Entdeckungsreise durch die deutsche Opernlandschaft ihres taz-Kollegen Ralph Bollmann gelesen. Dass der Autor für "Walküre in Deutschland" über zwölf Jahre hinweg viele Urlaube investiert hat, um von jeder Oper Deutschlands mindestens eine Inszenierung zu sehen, kann sich die Rezensentin nur mit journalistischer Neugier, Liebe zur Musik und der Leidenschaft des Historikers erklären. Aber dieser Aufwand zahlt sich ihrer Meinung nach mehr als aus: Müller hat nicht nur interessante Einblicke in deutsche "Kleinstaaterei" und den bedauernswerten "Masochismus der Provinz" die durch die Beschäftigung mit der "narzisstischen Kränkung ihres Niedergangs" die eigenen "Schätze" übersehe, erhalten, sondern auch insbesondere dank Bollmanns vergnüglicher, unprätentiöser Erzählweise viel über die Mentalität der jeweiligen Stadt erfahren. Nicht nur Dramaturgen, Theaterwissenschaftlern und Politikern legt die Kritikerin dieses Buch dringend ans Herz.
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