2013 ist Wagner-Jubeljahr. In der heilen Welt der Wagnerianer ist man sich einig: Der Mythos ist zu pflegen, Bayreuth als Kult- und Pilgerstätte zu erhalten. Kritische Fragen zum Gedankengut des gefeierten Titanen oder zur NS-Nähe der Nachkommen sind unter den roten Teppich zu kehren. Gegen diese Phalanx ergebener Jünger erhebt Richards Urenkel Gottfried, Sohn des langjährigen Festspielleiters Wolfgang Wagner, die Stimme. Der Musikhistoriker hat sich zeitlebens kritisch mit Leben, Werk und Weltanschauung des Urahns befasst. Nun legt er eine Streitschrift wider das scham- und verantwortungslose Festhalten am Wagner-Mythos vor.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.04.2013
Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat Gottfried Wagners Abrechnung mit Richard Wagner und dem Bayreuther Clan bei Wolfgang Schreiber hinterlassen. Das Werk des Wagner-Urenkel und Sohn des langjährigen Festspielleiters Wolfgang Wagner bietet in seinen Augen inhaltlich nichts Neues: Wagners Biografie, sein Antisemitismus, die Nähe der Wagner-Familie zu Hitler und den Nazis, die ungenügende Aufarbeitung nach dem Krieg scheinen ihm von der Forschung in allen Facetten durchleuchtet. In vorliegendem Werk findet er eine Bündelung der Kritik zu einem Pamphlet, das er in vieler Hinsicht für nachvollziehbar hält. Allerdings kommt er auch nicht umhin, dem Autor Einseitigkeit vorzuhalten und damit der Kunst Wagners letztlich nicht gerecht zu werden. Dennoch hegt er sichtlich Sympathie für das Buch, ist es doch so etwas wie der "Stachel im Wagner-Fleisch" und ein "Kontrapunkt" zu all den Lobeshymnen im Wagner-Jahr.
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