Als Adolf Eichmann 1960 vom israelischen Geheimdienst in Argentinien entführt, nach Israel gebracht und dort vor Gericht gestellt wird, gerät der Organisator der nationalsozialistischen Judenvernichtung erstmals ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Seine Rolle bei der Organisation des Holocaust und der Prozess in Israel entfachen eine Diskussion über persönliche Verantwortung im Holocaust. Eichmann trägt durch seinen Auftritt im Prozess zu diesen Debatten bei. In der Gefängniszelle verfasst er seine Memoiren "Götzen", die hier zum ersten Mal ausführlich kommentiert herausgegeben werden. Eichmanns Manuskript ist ein umfassendes Täterzeugnis, in dem der millionenfache Mord unumwunden zugegeben, gerechtfertigt und beschrieben wird. Es gibt Einblick in das Denken einer Person, die eifrig und pflichtbewusst eine zentrale Rolle bei der Durchführung des größten Völkermordes in der Geschichte einnahm.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016
Mit das Schlimmste für Daniel Koerfer sind die Leerstellen in der von dem Historiker Raphael Ben Nescher kommentierten Fassung von Adolf Eichmanns autobiografischem Fragment. Dass die Anmerkungen den Text quantitativ nahezu aufwiegen, scheint Koerfer gerechtfertigt, derart verzerrt ist das Bild sozialer Realität, das Eichmann hier zeichnet, meint er. Wichtig sind die Aufzeichnungen laut Rezensent als Dokument des industriell-arbeitsteiligen Massenmordes, bei dem Eichmann eine tragende Rolle spielte, auch wenn er sich hier alle Mühe gibt, sich als unbeteiligten Augenzeugen darzustellen und das Grauen abzukapseln. Für Koerfer eine äußerst quälende, wenngleich höchst wichtige Lektüre.
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