Eichmann vor Jerusalem räumt mit einer Fülle von Nachkriegslegenden und -lügen auf und enthüllt, wie der Menschheitsverbrecher Adolf Eichmann nach dem Krieg ein unbehelligtes Leben führen konnte - obwohl sowohl sein Aufenthaltsort als auch sein Deckname seit 1952 bekannt waren. Mit "Eichmann vor Jerusalem"dekonstruiert Bettina Stangneth die Lügengerüste der Nachkriegszeit und entlarvt deren unheilige Protagonisten - und wirft ein neues Licht auf die Probleme bei der Demokratisierung Deutschlands nach dem größten Zivilisationsbruch aller Zeiten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.05.2011
Eichmann war kein Schreibtischtäter, dieser Gewissheit nähert sich Christoph Jahr mit der Lektüre des Buches der Historikerin und Philosophin Bettina Stangneth. Die Autorin zeichnet Eichmanns Leben vor dem Prozess in Jerusalem nach und erstellt sein Psychogramm. Laut Jahr tut sie dies mit bemerkenswertem Selbstbewusstsein, aber auch mit einer Differenziertheit, die Jahr neue Einsichten beschert in Eichmanns antisemitisches Weltbild und sein Wirken als Massenmörder. Geradezu packend findet er die Schilderungen von Eichmanns Verwandlung zur grauen Maus vor dem Gericht in Jerusalem. Die alte Frage, inwieweit Stangneth dem Täter eine Bühne bereitet, beantwortet Jahr eindeutig: Die Balance stimmt, Eichmann wird ernst genommen, aber nicht überhöht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.04.2011
Fulminant findet Rezensent Ronen Steinke das Buch von Bettina Stangneth. Der Zeitpunkt für diese "Grundlagenstudie" ist freilich gut gewählt: Der Eichmann-Prozess jährt sich dieser Tage zum 50. Mal. Was die Autorin mit laut Steinke Respekt gebührender, wenngleich nicht immer leicht zu konsumierender, den Forschungsstand nicht selten korrigierender Quellenkritik nachweist, hat für Steinke allerdings Sprengkraft. In den mit Hilfe von Tonaufnahmen und Bergen schriftlicher Aufzeichnungen von der Autorin rekonstruierten Momenten im argentinischen Exil tritt der Meister der Selbstinszenierung dem Rezensenten als Holocaustleugner entgegen! Steinke vermag so zu erkennen, wie Eichmann diese Strategie in Jerusalem gegen eine andere, das Bild des seinen Dienst versehenden Beamten heraufbeschwörende, abwägt und austauscht.
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