Die Bibel bezeugt den Schöpfer als den, der nicht bei sich sein will ohne sein Geschöpf und deshalb dieses in Anteilnahme und Selbsthingabe aus tödlicher Verblendung und Schuldverstrickung zu einem Leben in Gemeinschaft mit sich und dem Nächsten befreit. Unter intensiver Berücksichtigung der Religionsgeschichte werden Altes und Neues Testament darauf abgehört, welches Grund-Wissen über Gott als "den uns Liebenden" vermittelt wird. Im Dialog des Alt- und Neutestamentlers ist so eine biblische Theologie entstanden, welche die theologischen Topoi in ihrem geschichtlichen Werdegang nachzeichnet und zugleich nach sachlichem Gewicht sowie logischem Zusammenhang ordnet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.03.2012
Dirk Pilz hat lange eine systematische Theologie vermisst. Die Religionen haben sich zu sehr darauf beschränkt, Kompromisse auszuhandeln oder sich zu isolieren, findet der Rezensent. Stattdessen wünscht er sich ein Streitgespräch, das die Theologie wieder in den Religionsdiskurs einbeziehen soll, den derzeit Historiker und Soziologen unter sich austragen, sonst werde die Religion auf ihre Geschichte und ihre gesellschaftliche Rolle reduziert. Reinhard Feldmeier und Hermann Spieckermann haben mit ihrem Buch "Der Gott der Lebendigen" den theologischen Streit von evangelischer Seite wieder aufgenommen, erklärt Pilz. Sie versuchen darin darzulegen, wie das neue Testament die Gedanken des alten verdichtet und greifen die alte Frage auf, wie der Mensch ein sinnvolles Leben führen kann. Besonders lobt Pilz, dass die Theologie der Autoren bereits ein aufklärerisch-kritisches Moment enthalte, weil sie eine rein historische Betrachtung vermeide und sich dadurch nicht auf aktuelle Strukturen reduzieren lasse.
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