Das Autorenduo Kößler/Melber beschwört mit diesem Buch nicht nur mehr als dreißig Jahre "Internationale Solidaritätsbewegung" in Theorie und Praxis herauf, sondern gibt gleichzeitig eine kritische Bewertung. Solidarität und Internationalismus werden aus historischer Perspektive aufgerollt. Kößler/Melber geben einen (selbst)kritischen Rückblick aus sozialwissenschaftlicher Sicht, ohne ins Akademisch-Abstrakte abzugleiten, sie sind vielmehr am Puls der Zeit, wenn sie die Erfahrungen der Bewegung mit den Herausforderungen "globaler Solidarität" im 21. Jahrhundert mit den Konsequenzen des 11. September 2001 verbinden: Wo ist die internationale Solidaritätsbewegung in der Entwicklung zu einer Weltgesellschaft zu situieren? Die Streitschrift ist als solidarisch-kritische Intervention gedacht, geschrieben von zwei aktiven Teilnehmern der Solidaritätsbewegung: Kößler/Melber waren dabei und denken darüber nach.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.05.2003
Als anregendes, "provozierendes" Buch lobt Rezensent Andreas Eckert Reinhart Kößlers und Henning Melbers Auseinandersetzung mit Theorie und Praxis der "internationalen Solidaritätsbewegung". Wie Eckert ausführt, untersuchen die Autoren in einer "Mischung aus sozialwissenschaftlicher Analyse und politischem Manifest" nicht nur, was in dieser Hinsicht erreicht wurde, sie stellen in einem historischen Abriss auch verschiedene Formen und Projekte globaler Solidarität dar und wagen einen (selbst-)kritischen Rückblick auf die westdeutsche Solidaritätsbewegung. Daneben widmen sich die Autoren der gegenwärtigen deutschen Entwicklungs- und Afrikapolitik und kritisieren vor allem "Memorandum zur Neubegründung der deutschen Afrikapolitik", berichtet Eckert, der ihre Kritik nicht immer nachvollziehbar findet. Abschließend, so Eckert, analysieren die Autoren noch die Reaktionen von westlichen Politikern und Intellektuellen auf die Terroranschläge des 11. September als Teil apologetischer Diskurse über die "Moderne" und den "Westen".
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