Aus dem Griechischen von Lulu Bail. Die Nazis löschten fast 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung Griechenlands aus. Dieser Teil der NS-Geschichte, ihre Folgen und ihre Aufarbeitung sind in Deutschland nahezu unbekannt. Rena Molho gibt einen Überblick zu den historischen Ereignissen in Thessaloniki, dem "Jerusalem des Balkans", in Ioannina, in der bulgarischen Besatzungszone Makedoniens und in Thrakien. Sie befasst sich aber auch mit der problematischen Erinnerungskultur zur Judenvernichtung in Griechenland heute, sie nimmt den Unterricht an den griechischen Schulen und die Wahrnehmung des "griechischen Holocaust" im Ausland in den Blick. Schließlich widmet sie sich der Sammlung und Erforschung mündlicher Zeugnisse von jüdischen Überlebenden und ihren christlichen Zeitgenossen. Wenn über deutsche Reparationszahlungen an Griechenland gestritten wird, darf die Ermordung der griechischen Juden kein blinder Fleck im historischen Bewusstsein bleiben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.01.2017
Wolfgang Freund erkennt in Rena Molhos Arbeit zur Ermordung der Juden von Thessaloniki 1941-1944 einen wichtigen Schritt hin zur Auseinandersetzung mit einem in Deutschland wie in Griechenland bisher zu wenig beachteten Thema. Für den faktenorientierten und pädagogischen Nachholbedarf scheint ihm das Buch ein gelungener Beitrag zu sein. Dass die Autorin ihr Buch auf Griechisch verfasst hat, obgleich sie andere Sprachen zu Verfügung hat, ist für Freund ein Zeichen für ihren Wunsch, die Auseinandersetzung mit dem Thema auch in Griechenland selbst voranzubringen. Übersichtlich und leserfreundlich findet Freund das Buch außerdem. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und umfangreiche Bibliografien helfen, den Text zu erschließen, meint er.
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