Die ländliche Eliten der preußischen Provinz Brandenburg wurden bis zum Ende des Kaiserreiches von dem jahrhundertelang angesessenen alten Adel der Region dominiert. Die Langzeitperspektive zeigt, dass es große Teile des alten Adels vermochten, nach 1800 nicht nur zu überleben, sondern auch "oben zu bleiben". Obwohl sie dem enormen Wandel der rechtlichen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen auf dem Lande, der ab 1807 begann, in vielen Fällen zunächst abwartend oder noch öfter ablehnend gegenüberstanden, war ein bedeutender Teil der adligen Großgrundbesitzer damit offensichtlich flexibler und rationaler, als es ihnen liberale Kritiker zubilligten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2003
Gerrit Walther attestiert dem Buch über Großgrundbesitzer in Brandenburg im 19. Jahrhundert, "Maßstäbe" zu setzten. Er lobt den Autor, dass er den verbreiteten Ressentiments gegen "preußische Junker" Zahlen und Fakten entgegensetzt und zwei wichtige Berichtigungen gegenüber früheren Forschungen bereit hält. Dabei, stellt der Rezensent klar, haben dem Autor keineswegs neue Quellen zur Verfügung gestanden, sondern er hat sich wie seine Vorgänger auf bereits bekannte Dokumente gestützt. Schiller weise in seiner Studie überzeugend nach, dass sich die Großgrundbesitzer im 19. Jahrhundert durchaus nicht im wirtschaftlichen Niedergang befunden haben, wie immer behauptet wird. Zudem könne der Autor zeigen, dass zwischen adeligen und bürgerlichen Gutsbesitzern kaum eine "soziale Vermischung" stattgefunden hat, lobt der Rezensent nachdrücklich. Er stellt bewundernd fest, dass Schiller, auch wenn er "keine literarischen Ambitionen" hat, ein "erstaunlich flüssiges" Buch geschrieben hat. Eine beeindruckende Darstellung von Sozialgeschichte, die sich auf eine Fülle von harten Fakten und Zahlen stützen kann und "kühne Konsequenzen" aus den Quellen zieht, lobt der Rezensent angetan.
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